Neue CD-Kritiken

Neue CD-Kritiken

 

Hier findet Ihr die neuesten CD-Kritiken der letzten Updates. Über Musik lässt sich nicht streiten, nur diskutieren. Deswegen bitte bitte keine beleidigenden Mails mehr, nur weil ich Eure Lieblings-CD schlecht kritisiert habe. Das hier ist AUSSCHLIESSLICH MEIN Musikgeschmack (bzw. natürlich der Geschmack meiner Co-Kritiker). Ich halte Euch ja auch nicht für blöd, nur weil Ihr Helene Fischer oder Andrea Berg gut findet. Schickt mir dann lieber eine Gegen-Kritik als TXT-Datei. Die wird dann selbstverständlich auch veröffentlicht.

Und wer Schreibfehler findet darf sie behalten !!

 

12.07.2018

02.09.2018

27.10.2018

Arena - Double Vision

Ally the Fiddle - Up

Alight - Spiral Of Silence

Chapter 7 - Frozen Fields

Brooks, Aaron - Homunculus

Ayreon - Into The Electric Castle (20th Anniversery Edition)

Cyrcus Flyght - The Clueless Caravan

Dialeto - Live With David Cross

Xavier Boscher - Eternity

Devilizer - The Obscuring

Fates Warning - LIve Over Europe

Brainstorm - Midnight Ghost

Fields Of Troy - The Great Perseverance

Moore, Pamela - Behind The Veil

Dragony - Masters Of The Multiverse

Maiden United - Empire Of The Clouds

Primal Fear - Apocalypse

Enemy Inside - Phoenix

Mother Bass - Mother Bass

Redemption - Long Night’s Journey Into Day

Heartscore - Black Riders Part 1

Phantom Elite - Wasteland

Romeo, Michael - War Of The Worlds Pt. 1

Mayan - Dhyana

Project Patchwork - ReFlection

Starfish64 - The Future In Reverse

Saga - So Good So Far (Live at Rock Of Ages)

Tumble Town - Never Too Late

Tarja - Act II

 

Unkh - Innerverse

Twenty Four Hours - Close - Lamb - White - Walls

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alight - Spiral Of Silence (VÖ:27.04.2018)
Bei den ganzen Bands die ich auf den letzten 3 Abschnitten der Symphonic Metal Nights seit Januar 2018 gesehen und auch hier besprochen habe, fehlt noch eine Band, die ich neulich (September 2018) auf dem Abschluss-Konzert des 3. Teils der Tour in Kufstein gesehen habe. Es handelt sich hierbei um die Süd-Tiroler Band ‘Alight’ aus dem schönen Bozen, die als Opener auf dem Konzert schon mal richtig Stimmung gemacht haben. Mir war die Band bisher völlig unbekannt. Inspiriert von diversen Gothic-Bands wie Tiamat oder Therion und später dann vom gleichen Genre mit weiblichen Vocals wie z.B. Nightwish, Within Temptation oder auch The Gathering gründete Drummer Mirko Montresor vor Jahren die Band ‘Alight’, nachdem er davor schon bei der Death Metal Band ‘Voices Of Decay’ Mitglied war. Diverse Sängerinnen-Wechsel (so war z.B. Mariangela Demurtas Sängerin bei ‘Alight’, bevor sie zu ‘Tristania’ wechselte. Im Jahr 2009 folgte dann die erste Veröffentlichung mit ‘Don’t Fear The Revenge’ sowie zwei Europa-Tourneen mit Samsas Traum und Dornenreich sowie ein paar Shows mit Soulfly oder Black Stone Cherry. 2011 stieß Gitarrist Robert Sieff zur Band, 2013 kam Monica Perulli am Bass dazu und seit 2016 ist Sängerin Catia Borgogno mit an Bord. Mit dieser Besetzung ist nun das zweite Album ‘Spiral Of Silence’ entstanden und beinhaltet eine richtig frische Mischung aus ganz wenig Symphonic Metal (die orchestralen Keyboard-Teppiche halten sich sehr im Hintergrund), viel Gothic im Stile der ‘alten’ The Gathering aber mit ein bisschen mehr Härte und vor allem Songs mit viel Melodie und Refrains, die sich im Ohr festhängen. Hier ist vor allem der Opener und das Titelstück ‘Spiral Of Silence’ zu nennen, das ins Ohr und nicht mehr raus geht. Aber auch das folgende ‘The Portal’, von dem es übrigens auf YouTube ein von Patric Ulaeus (In Flames, Dimmu Borgir u.a.) gedrehtes Video gibt, bleibt einfach nur hängen und die fetten, tiefgestimmten Gitarren machen den Song echt zum Meisterwerk. Aber es gibt auch getragenere, gefühlvolle Songs wie z.B. ‘Psiche’ oder das geniale ‘Look Closer’.
Insgesamt ist ‘Spiral Of Silence’ ein richtig spannendes Album geworden, das auf (leider nur) 40 Minuten richtig viel Abwechslung bietet und Freunde von ‘Female Fronted Metal’ auf jeden Fall ansprechen wird. Unbedingt reinhören und das Album kaufen. Mehr Infos über die Band sowie hier auch einen Link auf das genannte Video gibt es auf ihrer Homepage.

Ally the Fiddle - Up (VÖ:14.09.2018)
Als ich gelesen hatte, dass die Norddeutschen ‘Ally the Fiddle’ progressiven Violin Rock / Metal machen, habe ich mich echt gefragt, ob das funktionieren kann. Und die weitere Information, dass Ally Storch, die alle Streichinstrumente (und hier vor allem ihre 6-saitige elektronische Violine) auf dem Album bedient, auch Mitglied bei ‘Subway To Sally’ und ‘Schandmaul’ ist, und ich mit diesem Genre, also Mittelalterrock überhaupt nichts anfangen kann, machte mich eigentlich noch skeptischer. Ein Blick in das Line-Up der Band hat mir aber ein bisschen meine Bedenken genommen, denn mit Robert Klawonn und Eric Langbecker sind immerhin auch 2 Gitarristen mit an Bord. Vervollständigt wird die Band durch Rouven Haliti am Chapman Stick (ein Instrument, das in meinen Augen viel zu selten verwendet wird), Simon Tumielewicz am Bass und Stefan Hukiede an den Drums. Und auch die Gast-Musiker sind ein interessantes Sammelsurium quer durch einige Genres. So hat Marco Minnemann (vor allem bekannt durch die Zusammenarbeit mit Steven Wilson) auf einem Track die Drums übernommen, Sebastian Baur und Alf Ator (Knorkator) leihen auf 2 Tracks ihre Stimmen, Benni Cellini (Letzte Instanz) bedient bei einem Song das Cello, Jen Majura (Evanesence) darf auf einem recht jazzig angehauchten Stück (‘Try To Stop Me’) die Finger auf den Saiten fliegen lassen. Bei diesem Track ist dann auch noch kein Geringerer als Jerry Goodman (Mahavishnu Orchestra) an der Geige zu hören. Felix Wiegand (Dick Brave and the Backbeats) darf beim Opener ‘Sisyphos’ am Kontrabass ran.
Musikalisch erinnern mich ‘Ally the Fiddle’ ein bisschen an ‘Curved Air’, die vor allem in den 70er Jahren ein paar richtig gute Platten herausgebracht und dort schon die Violine als Stil-Element in den Prog-Rock Bereich eingeführt haben. Und hier möchte ich nur den Namen Eddie Jobson nennen, der die genannte Band durch sein filigranes Violinen-Spiel sehr geprägt hatte (und auch bei UK, Roxy Music, Jethro Tull und Yes aktiv war). Und um noch eine Parallele zu nennen klingt Ally Storch, die neben den Streichinstrumenten auch für den Gesang verantwortlich ist, tatsächlich teilweise nach Sonja Kristina (der Sängerin von Curved Air).
Die insgesamt 10 Songs bewegen sich (bis auf 2 Ausnahmen) alle zwischen 6 und gut 8 Minuten, wobei der Gesang im Verhältnis zu den Instrumental-Parts recht wenig Zeit einnimmt. ‘Up’ ist somit ein eher instrumentales Album mit ‘ein bisschen’ Vocals geworden und wenn man sich einmal auf die (natürlich) dominante Violine eingelassen hat, klingt das alles richtig spannend und nicht eine Sekunde langweilig oder gar nervig. Dies liegt aber auch daran, dass die Gitarristen ebenfalls ihren Freiraum bekommen und ordentlich rocken dürfen. Es gibt aber auch ruhigere Momente wie das 8-Minuten-Stück ‘The Bass Thing’ (mit wunderschöner Melodie-Linie) oder den Song ‘Tree’ (zumindest die ersten 4 1/2 Minuten, bis es doch richtig bombastisch und metallisch wird).
Veröffentlicht wurde ‘Up’ übrigens bei Gentle Art Of Music, also dem Stammlabel von RPWL. Und wie so oft haben sie dort mal wieder ein richtig gutes Händchen für gute, interessante und neue Musik bewiesen. Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage. Proggies dürfen hier bedenkenlos zugreifen.

Arena - Double Vision (VÖ:25.05.2018)
In Windeseile nach nur 3 Jahren haben meine Lieblings-Neo-Progger ‘Arena’ einen Nachfolger von ‘The Unquiet Sky’ raus gehauen. Die erste Überraschung ist schon mal, dass der Bassist (Kylan Amos) nicht schon wieder ausgetauscht wurde (das war ja im Laufe der langen Karriere von ‘Arena’ neben der Position des Sängers so etwas wie der Schleudersitz). Also kein Line-Up-Wechsel gegenüber dem Vorgänger. Ein erster Blick auf die Eck-Daten, 7 Songs, 55 Minuten, lassen auch schon mal auf ausufernde Long-Songs hoffen. Leider vergeblich, denn wenn man den letzten Song ‘The Legend Of Elijah Shade’ mit 22 1/2 Minuten abzieht, bleibt für die restlichen 6 Songs nicht mehr so viel übrig. Aber sei’s drum ... wenn es trotzdem genial ist, kann man sich bei ‘Arena’ auch mal auf 4 1/2 bis 7 Minuten pro Song freuen.
Der Einstieg mit ‘Zhivago Wolf’, gleich mal ein Short-Track mit knapp 5 Minuten, beginnt schon mal recht dramatisch mit Steichern und dann typischen Arena-Riffs, Keyboard-Läufen und den einfach zu 100% wiedererkennbaren Gesangs-Linien. Irgendwie erinnert mich das ganze an ‘The Visitor’, also der CD von ‘Arena’, die dieses Jahr immerhin 20 Jahre auf dem Buckel hat. Und lustigerweise ist auf ‘The Visitor’ ja ein Song namens ‘Double Vision’ mit drauf. Ein Schlem und so ...
Der nächste Song ‘The Mirror Lies’ besticht durch genialen Gesang, der Abwechslung zwischen traumhafter Melodie und zwischendurch eingestreuten Metal-Riffs durch Gitarrero John Mitchell, die eher an ‘Threshold’ als an Arena erinnern. Dazwischen ein Keyboard-Solo (gepaart mit dem Metal-Riff) ... richtig geil Geht ins Ohr und nicht mehr raus. Ganz sicher eines der Highlights auf der CD (und mit 7 Minuten auch eine ansprechende Länge für viele Stil- und Tonart-Wechsel). Was fehlt ist ein Gitarren-Solo.
Das folgende ‘Scars’ könnte auch ein ‘Crying For Help’ Part 23 oder so (keine Ahnung wie viele Parts jetzt schon gibt) sein, und das nicht nur wegen dem Refrain ‘Help me to find a way to talk to you’. Alleine das ‘Help me’ ist einfach so typisch ‘Crying For Help’. Richtig gut gemacht ... und endlich mal ein kleines Gitarren-Solo zwischendrin. Auch ein richtiger Ohrwurm.
Mit ‘Paradise Of Thieves’ wird es dann ein wenig bombastischer und auch vertrackter. Eher kein Song der im Hirn bleibt. Dafür fehlt die eingängige Melodie-Linie. Das ist mehr so Arena 4.0, nicht schlecht aber tatsächlich ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Das braucht ein paar Höhrdurchgänge um damit warm zu werden. Aber ist ja nicht schlimm. Eher interessant.
Bei ‘Red Eyes’ werden dann alle ‘alten’ Arena-Fans (so wie ich ... ich verfolge die Band schon seit ihrem Erstlingswerk ‘Songs From The Lion’s Cage aus dem Jahr 1995) frohlocken. Auch wenn der Song ein bisschen metallisch, hart angehaucht und moderner ist, hätte er locker auf dem Debut-Album sein können. Für mich das zweite Highlight der Scheibe. Der Refrain geht ebenfalls nicht mehr aus dem Kopf. Was fehlt ist ein Gitarren-Solo.
Mit ‘Poisoned’ kann ich jetzt am wenigsten anfangen. Akustischer, ruhiger Song. Richtig gut gesungen aber mir zu langweilig.
Tja und dann ... kommt der krönende Abschluss mit ‘The Legend Of Elijah Shade’, dem längsten Song den Arena jemals geschrieben haben. Unterteilt ist dieses Werk in Parts. Am Anfang könnte man meinen Gollum (Ihr wisst schon ... das Gerät von Herr der Ringe) hätte einen Gast-Auftritt, dann 3/4 Takt, Breaks, geile Gesangs-Linie. Fett. Das alles war Part 1 (Veritas). Part 2 (I Am Here) beginnt nur mit Keyboard / Piano und Gesang, danach setzt noch die Gitarre ein mündet in einer Gänsehaut-Melodie. So gefühlvoll hat Paul Manzi glaube ich noch nie gesungen. Und schon sind 6 1/2 Minuten vorbei wie im Flug. Part 3 (Saevi Manes) wird dann ein bisschen unrhytmischer, hektischer, chaotischer in der Instrumentierung. Nicht verwunderlich, wenn man (laut Text) Geister verbannen will. Mit Part 4 (It Lies) wird es dann wieder leichter verdaulich, in Sachen Bombast und eingängigem Refrain wird wieder einer drauf gesetzt. Und der Grundrhythmus des Songs verführt zum Mitwippen. Geil. Und 12 Minuten vorbei. Dass ‘Arena’ auch noch AOR-lastige Songs schreiben können, beweisen sie mit Part 5 (Tenebrae). Richtig rockig das Teil. Nur ein kleines Zwischenspiel ist Part 6 (Omens), zumindest wenn man den Text-Anteil betrachtet. Wann Part 7 (Redemption) genau beginnt, kann man leider nicht sagen. Auf jeden Fall ist der Instrumental-Part zwischen dem Text von ‘Omens’ und dem Beginn des Textes zu ‘Redemption’ aber sowas von genial (und auch wieder das Erstlingswerk At It’s Best) gemacht mit am Schluss einer fetten Kirchenorgel. Da darf dann auch mal Clive Nolan so richtig ran und einen raus hauen. ‘Redemption’ toppt dann alles noch einmal. Sozusagen die Kirsche auf der Sahne und endlich ... da ist es ... nach 19 1/2 Minuten ein Gitarren-Solo so wie man es von Arena kennt (leider zu kurz), der Refrain danach entschädigt aber für alles. Gänsehaut und wieder ein bißchen Anleihen an ‘The Visitor’. Dann nochmal ein Gitarren-Solo ab Minute 21 bis kurz vor Schluss. Dann noch ein bisschen Geplänkel und ein Piep-Ton ganz am Ende. Ein Meisterwerk der Song? Ich würde sagen ja. Und zwar ohne Einschränkung.
Insgesamt finde ich ‘Double Vision’ ein richtig gelungenes Album, das Arena-Fans auf jeden Fall nicht enttäuschen wird. Im Gegenteil. Neben Anleihen an alte (The Visitor) und uralte (Songs From The Lion’s Cage) Veröffentlichungen gibt es auch genügend Neues, Modernes zu entdecken. Von daher würde ich diesen Output auf jeden Fall in die Top 5 der Arena-CDs einreihen. Muss man haben.

Ayreon - Into The Electric Castle (20th Anniversary Edition) (VÖ:26.10.2018)
Wer Ayreon kennt, hat auf jeden Fall die dritte CD dieser ‘Band’, die im Jahr 1998 veröffentlicht wurde, im Regal stehen. Daher erübrigt es sich, hier eine ausführliche Review zu schreiben. Namen der Gast-SängerInnen wie. Fish, Sharon Del Adel, Damian Wilson, Edwin Balogh, Anneke Van Giersbergen, Jay Van Feggelen, Edward Reekers, Peter Daltrey, Robert Westerholt und George Oosthoek sprechen hier Bände. Und auf dieser Scheibe sind so geniale Songs wie z.B. ‘Isis And Osiris’, ‘Amazing Flight’ oder auch ‘Valley Of The Queens’ verewigt.
Aber warum schreibe ich das 20 Jahre später? Weil dieses Werk zum Geburtstag neu veröffentlicht wurde. Und das nicht als Remaster sondern als Re-Mix (!!). Und dieser neue Mix ist sowas von fett. Da kommen plötzlich Parts und Instrumente zum Vorschein, die auf der Produktion von vor 20 Jahren (wahrscheinlich wegen der damaligen Technik) nicht oder nur schwer zu hören waren. Alleine deshalb lohnt sich der Kauf, auch wenn man das Original schon besitzt. Ein völlig neues Hörerlebnis.
Wie man es von Ayreon kennt, gibt es das neue Werk in vielen interessanten Variationen. Ich habe mir das Paket mit 4 CDs (2x Remix, 2x als Instrumental-Remix) und 1 DVD (5.1 Surround vom 2018er Mix plus Bonus-Videos) besorgt, es gibt aber auch noch mein Paket plus 3x Vinyl oder Vinyl alleine oder ... oder ... oder ...
Und ... das gesamte Werk (plus je 1 Song von Side-Projekte von Arjen Anthony Lucassen) kommt vom 13. - 15. September 2019 für insgesamt 4 Live-Konzerte nach Tilburg (Holland) samt ein paar Original-Sängern und -Sängerinnen. Wer Tickets haben will, sollte sich echt beeilen. Die Konzerte am Freitag und Samstag sind bereits ausverkauft. Für die 2 Konzerte am Sonntag (ein Konzert nachmittags, eins abends) gibt es noch Rest-Karten. Zu kaufen über Ticketmaster.nl. Ich habe meine Tickets für Samstag (14.09.2019) schon gesichert und freue mich total drauf.

Boscher, Xavier - Eternity (VÖ:19.10.2018)
Der südfranzösische Multiinstrumentalist Xavier Boscher beglückt uns schon wieder mit einem richtig genialen Werk. Nach ‘Embryogenesis’ vom Oktober 2017 und ‘Zoologica Duodecim #1 Ocean (April 2018) gibt es mit ‘Eternity’ bereits den dritten Output in einem Jahr. Und entgegen seinen Ankündigungen, vom Vorgänger ‘Zoologica’ insgesamt 12 Teile zu veröffentlichen (nachdem auf #1 die ersten 5 Teile drauf waren), gibt es sozusagen zwischendurch mit ‘Eternity’ ein ganz anderes Werk. Insgesamt 8 Songs mit einer Laufzeit von gut 3 bis knapp 7 Minuten bedeuten richtig genialen Instrumental-Prog, bei dem vor allem das filigrane Gitarrenspiel von Xavier Boscher bestaunt werden kann. Und dass er ein richtig gutes Händchen für schöne und eingängige Melodie-Linien hat, wurde auch schon auf sämtlichen Vorgänger-Alben bewiesen. Xavier Boscher strotzt nur so vor Einfallsreichtum, wechselt richtig schön zwischen gefühlvoller E-Gitarre und auch akustischen Parts, und die gesamte CD kann man einfach nur genießen. Und das am Besten mit dem Kopfhörer auf den Ohren und einem guten Glas Rotwein.
Einzelne Songs herauszugreifen, würde der CD nicht gerecht werden, denn das komplette Album ist einfach aus einem Guss. Wer aber richtig spezielle Momente erleben will, sollte auf jeden Fall den Song ‘Domestic’ herausgreifen. Neal Schon hätte es nicht besser spielen können. Freunde der Instrumental-Musik kommen hier voll auf ihre Kosten.
Zu haben ist das Werk wie immer auf der Homepage von Xavier Boscher, auf der das Album in digitaler Form für (mindestens) 7 Euro erworben werden kann. Muss man unbedingt haben.

Brainstorm - Midnight Ghost (VÖ:28.09.2018)
Absicht? Zufall? Einfach Timing? Kaum hauen meine Lieblings-Power-Metal-Schwaben ‘Primal Fear’ ein neues Werk auf den Markt, schon ziehen die ebenfalls im Schwabenländle angesiedelten ‘Brainstorm’ nach und veröffentlich ebenfalls ein neues Album. Dieses Mal aber leider nicht, um dann gemeinsam auf Tour zu gehen (so war es zumindest Anfang 2016, als ich leider bei dem Konzert in Stuttgart eine Termin-Kollision mit einem Serenity-Konzert am gleichen Tag in Aalen hatte und somit ein paar Tage später in München im Backstage war), denn Primal Fear sind derzeit in Europa unterwegs, Brainstorm folgen erst später.
Richtig auffallen ist, dass bei dem neuesten Werk ‘Midnight Ghost’ unglaublich viel Wert auf packende Refrains gelegt wurde. So viele Songs mit absolutem Ohrwurm-Charakter waren bisher auf keiner Brainstorm-Veröffentlichung drauf. Eventuell liegt es auch daran, dass man mit Sebastian ‘Seeb’ Levermann einen Produzenten gefunden hat, der ja mit seiner eigenen Band ‘Orden Ogan’ ja ebenfalls in dieser Richtung unterwegs ist. Schon der Opener ‘Devil’s Eye’ geht voll ins Ohr, glänzt aber auch mit genialen Gitarren-Parts sowie einem richtig fetten Drumming. Auffallend ist auch der richtig klare Sound des Albums, den ich so perfekt von älteren Scheiben der Band nicht so kenne. Auch hierfür ein absolutes Daumen hoch. Ähnlich gut auch das folgende ‘Reveiling The Darkness’ sowie ‘Ravenous Minds’, von dem es auch ein YouTube-Video gibt.
Herzstück des Albums ist sicher das knapp 8 Minuten lange ‘Jeanne Boulet (1764)’, das erst mit akustischer Gitarre und ziemlich ‘zart’ beginnt, nach 50 Sekunden dann aber zu einem richtig tollen Mid-Tempo-Kracher wird. Bei diesem Song geht es übrigens um die 14-jährige Hirtin Jeanne Boulet, die im Jahr 1764 von der Bestie von Gévaudan, einem wolfähnlichen Ungeheuer, getötet worden sein soll. Naja, ob’s tatsächlich so war konnte nie geklärt werden, denn diese Bestie wurde nie gefunden. Aber aus diesem französischen Mythos einen so genialen Song zu machen ... da gehört schon einiges dazu.
Alle weiteren Songs zu besprechen würde diese Review echt sprengen, denn es gibt keinen einzigen Durchhänger. Somit ist mein Fazit ziemlich klar. Mit ‘Midnight Ghost’ haben Brainstorm einen Meilenstein in ihrer Band-Geschichte veröffentlicht, den man unbedingt haben muss, wenn man auf Power-Metal steht.
Ach ja ... wer 2 Euro mehr hat, sollte sich auf jeden Fall die limitierte Doppel-CD besorgen. Denn auf der Bonus-DVD ist doch tatsächlich das von mir oben genannte Konzert vom 18.02.2016 im LKA in Stuttgart drauf und hier gibt es neben einem Best Of ... Konzert ein paar geniale schwäbische Ansagen von Sänger Andy B. Franck. Okay ... ich als ‘Insider’ verstehe jedes Wort :-).

Brooks, Aaron - Homunculus (VÖ:21.09.2018)
Regelmäßige Besucher meiner Homepage werden sich bestimmt daran erinnern, dass ich hier auf meinen Seiten 2 Reviews über die Psychedelic-Rock-Band ‘Simeon Soul Charger’ aus Ohio veröffentlicht habe und davon sehr angetan war. Die Band war damals auf einen Bauernhof im tiefsten Bayern gezogen, beim RPWL-Stammlabel ‘Gentle Art Of Music’ untergekommen und neben den 2 Alben auch hunderte Konzerte gespielt. Leider hat sich die Band 2016 aufgelöst, um eigene musikalische Wege zu gehen. Und ein neuer musikalischer Weg liegt jetzt mit ‘Homunculus’ vor, denn ‘Aaron Brooks’ war der Sänger von ‘Simeon Soul Charger’. Er ist immer noch bei Gentle Art Of Music unter Vertrag, das Album wurde von Yogi Lang produziert und neben Yogi Lang (Keyboards) konnte auch noch Kalle Wallner (ebenfalls RPWL, Blind Ego) an der Gitarre und am Bass als Gast-Musiker gewonnen werden.
Wie auch schon das letzte Album ‘Harmony Square’ seiner alten Band ist auch ‘Homunculus’ ein kritisches, nachdenkliches Werk geworden, was man schon am Opener ‘Consume’ erkennen kann. Hier wird, obwohl der Song einen richtigen Groove hat, über die moralisch verkommene Konsumgesellschaft hergezogen (‘That’s freedom ... consume now’). Bei ‘Wake Up The Mountain’, einem genialen Piano-Stück mit Gänsehautgarantie geht es um den Gedanken dass man sein Leben verschwendet hat, allerdings nur die ersten 3 Minuten, denn dann wird der Song kurz richtig bombastisch und klingt sowas von nach ‘Muse’. Das hätte für mich locker noch ein bisschen so weitergehen können.
Für mich sind vor allem die ruhigen, nachdenklichen Stücke die Highlights des Albums wie z.B. ‘Nobody Knows What It’s Like To Be Someone Else’ (mit herrlich wimmernder Gitarre) oder ‘The Idiot’, es gibt aber auch richtig gute rockige Stücke wie z.B. der Schluss-Track ‘Digital’ oder auch ‘Everybody Dies’ (mit leichten Anleihen an ‘Muse’). Ein bisschen ‘REM’ darf es bei ‘Lies’ auch mal sein.
‘Homunculus’ ist auf jeden Fall ein richtig interessantes, abwechslungsreiches Album geworden, das Aaron Brooks im Vergleich zu seiner alten Band von einer ganz anderen Seite zeigt. Von einem Singer-Songwriter-Album, auch wenn man es auf den ersten Blick vermuten könnte, ist das Werk auf jeden Fall weit entfernt. Ein richtig guter Sänger ist Aaron Brooks ohne Zweifel.
Mehr Infos über ihn gibt es auf seiner Homepage.

Chapter 7 - Frozen Fields (VÖ:05.04.2018)
Chapter 7 ist eine niederländische Powerrock-Band, die schon seit 2009 besteht. Die Musik wurde inspiriert von Bands wie Alice In Chains, Black Stone Cherry, Puddle Of Mudd oder auch Stone Sour. Nun sind mir diese Namen zwar bekannt, aber außer von Alice In Chains habe ich von keiner dieser Bands etwas im CD-Regal. Der Vergleich zu Alice In Chains hinkt ein bißchen, da ‘Chapter 7’ eher gemäßigter daher kommen. Eine gewisse Nähe zu Godsmack, die ich selbst sehr verehre, möchte ich persönlich aber nicht abstreiten. Vor allem bei den Parts, bei denen Sänger Jeroen Bruers etwas härter und dreckiger zur Sache kommt. Als Beispiel möchte ich hier mal den Song ‘Down’ nennen, der sowohl vom Gesang her als auch teilweise vom Gitarren-Riffing an ‘Godsmack’ echt heran kommt. Auch das folgende ‘No One’ kommt im Refrain ein bißchen an den Stil heran, wobei Sully Erna, der Sänger von Godsmack doch noch etwas rauher klingt.
Wenn man an der CD tatsächlich was aussetzen möchte ist es lediglich die Gleichheit der Songs, die auf rund 41 Minuten eigentlich wenig Abwechslung bieten. Hier wäre etwas mehr Investition in das Song-Writing wünschenswert gewesen. Da ‘Frozen Fields’ aber erst Teil 2 einer Trilogie ist, hoffe ich mal, dass in Teil 3 noch eine Steigerung kommt. Insgesamt ist die CD aber für Fans des genannten Genres ganz sicher eine willkommene Abwechslung und Neuentdeckung, bei der man mehr als ein Ohr riskieren sollte.

Cyrcus Flyght - The Clueless Caravan (VÖ:17.05.2018)
Bereits in den 90er Jahren spielten Uwe Fleischhauer (Gitarre) und Kai-Uwe Broek (Drums) zusammen in der Progressiv-Metal-Band ‘Vigilance’, veröffentlichten 2 Alben (Behind The Mask und Secrecy) und hatten damit vor allem in Japan, USA, Kanada und Süd-Europa Erfolge. Obwohl ich vor allem in den 90ern sehr dem Prog zugetan war, ist die Band völlig an mir vorbei gegangen. Daher kann ich auch nicht sagen, was daraus geworden ist. Auf jeden Fall suchten die Zwei 2012 Musiker, die diese Musik sowie Melodic Metal ebenso mochten. Am Ende fanden sie dann noch Izzy D’Dambrosio als Sängerin, Olaf Gersch an den Tasten und Andreas Bönecke am Bass. Das Songwriting begann und 2015 / 2016 war die Band auf einigen Festivals erstmals aktiv. 2017 ging es dann ins Studio, um das Erstlingswerk ‘The Clueless Caravan’ aufzunehmen. Sie bezeichnen sich selbst als Prog-Metal-Band und nennen Yes, Eloy, ELP, Ayreon oder auch Spock’s Beard als Einflüsse.
Ich hoffe jetzt mal nicht, dass die Musik von ‘Cyrcus Flyght’ tatsächlich eine Mischung aus den genannten Bands ist, sonst befürchte ich Schlimmes. Passt ja so gar nicht zusammen. Aber die Angst ist unbegründet.
Prog-Metal? Hmm ... erst mal eher nicht, denn der Opener ‘At The End Of All Time’ hat eigentlich ziemlich wenig mit Prog zu tun. Das ist eher reinster Melodic Metal, der ... wenn man noch ein paar orchestrale Keyboard-Parts dazugemischt hätte ... auch als Symphonic Metal durchgehen würde. Ordentliche Geschwindigkeit, eingängiger Refrain. Richtig gut gemacht. Und auch die Stimme von Izzy D’Ambrosio klingt wirklich angenehm und leicht ‘dreckig’. Das zweite Stück ‘Finger On The Trigger’ geht in eine ähnliche Richtung, noch ein bißchen härtere Gitarren-Riffs und nach knapp 3 1/2 Minuten auch ein richtig gutes Gitarren-Solo. Von Prog-Metal aber eher noch keine Spur. Das wird sich jetzt aber ändern, denn mit ‘Endless Fall’ (9 Minuten) und ‘Twilight Of Sin’ (7 Minuten) folgen nun die 2 Long-Songs, die ich auch als die Highlights der CD bezeichnen möchte. ‘Endless Fall’ zuerst mit Keyboard-Teppich und eher getragenem Tempo, dann Tempwechsel, ein paar richtig gute Instrumental-Parts dazwischen, ein kleiner Ausflug Richtung Jazz (coole Gitarre), fast ein bisschen Bar-Musik und dann wieder zurück zum Ausgangs-Thema. Retro-Prog der richtig guten Sorte. ‘Twilight Of Sin’ zuerst ein bisschen orientalisch, dann richtig rockig, ein paar nette Breaks, Gitarren-Solo. Progger was willst Du mehr?
‘Walk The Thin Line’, ein Instrumental, ist dann vielleicht der rockigste Song mit richtig viel Gitarre / Keyboard (erinnert mich teilweise an Rainbow). Auch bei ‘Devil’s Daughter’ kommen mir am Anfang eher 70er Rock-Bands in den Sinn, gegen später wird das Teil aber noch richtig abwechslungsreich und spacig. Die (reguläre) CD endet dann schon mit ‘Das Erste Geschöpf’, einem 3-minütigen Instrumentalstück aus der Reihe ‘wir versuchen mal ob wir Pink Floyd-Feeling hinbekommen’. Und sie bekommen es hin. So eine Art ‘Shine On You Crazy Diamond’ - Light, also Keyboard-Teppich und jammernde Gitarre. Eine völlig andere (aber schöne) Seite von Cyrcus Flyght’.
Tja ... und dann kommen die 2 Bonus-Tracks. Auf Deutsch. Zuerst ‘Finger am Abzug’ (also ‘Finger On The Trigger’ mit deutschem Text) sowie ‘Am Ende der Zeit’ (also ‘At The End Of All Times’ ins Deutsche übersetzt). Ganz ehrlich muss ich sagen, ich bin froh, dass ‘Cyrcus Flyght’ in Englisch singen, denn die deutschen Texte, vor allem der von ‘Finger am Abzug’ sind dann doch ziemlich schwülstig und ‘betroffen’.
Als Fazit möchte ich sagen, dass die Band aus Oldenburg mit ‘The Clueless Caravan’ ein richtig gutes Erstlingswerk abgeliefert haben. Die Bezeichnung ‘Prog-Metal kann ich zwar nur bei den 2 Long-Songs bestätigen, aber der Rest zwischen Melodic Metal und Art Rock ist auch richtig gut. Unbedingt reinhören. 

Devilizer - The Obscuring (VÖ:29.06.2018)
Franken. Der Alptraum meiner Kindheit. Jedes Jahr auf dem Bauernhof der buckeligen Verwandtschaft Urlaub gemacht in einem Dorf mit 400 Einwohnern ... jeder Zweite mit dem gleichen Nachnamen. Stadt-Kinder wurden bei der Haus-Schlachtung zum Metzger geschickt um Blutwurstfarbe zu holen und kamen mit einem Sack Backsteine zurück (haha ... was für ein Humor das Volk). Und als Highlight dann das jährliche Dorf-Fest mit einer katastrophalen Musik-Combo samt Mumien-Schieben und Besäufnis bis zum bitteren Ende.
Franken. Ein Dialekt der hinter fast jedes Wort noch ein ‘la’ hängt, damit man auch wirklich nichts versteht. Da wird aus Nürnberger Bratwürste schon mal ‘Nernberchala’ gemacht und die Religion bestand darin, ob eher rohe oder gekochte Klöße mehr Soße aufnehmen.
Franken. Kann dort gute Musik her kommen? Wenn ich alle meine Vorurteile zusammenkratze, dann würde ich einfach mal sagen never ever. Doch meine Homepage hat im Laufe der ganzen Jahre, in denen ich die Sache mit den CD-Kritiken mache, ab und zu mal das Gegenteil bewiesen. Und jetzt kommt eine Freundin von mir, Anja Dressel, um die Ecke und schickt mir eine CD der Band ‘Devilizier’ mit der Bitte, ich soll sie mir doch einfach mal anhören. Die CD-Release-Party war im Rahmen des Kulmbacher Altstadtfestes (siehe oben ... da scheint sich im Laufe der Zeit echt was geändert zu haben) und diverse YouTube-Videos von Anja über diesen Auftritt können betrachtet werden.
Nun ja, so völlig ‘unbekannt’ sind ‘Devilizer’ dann doch auch nicht, denn Gitarrist Niklas Müller ist ein Gitarrenschüler von Chris Hermsdörfer (Serenity, Beyond The Black), hat auf jeden Fall den selben Frisör wie Chris und ist schon ein paar mal für ihn bei Serenity auf Konzerten eingesprungen. Wer allerdings denkt, dass ‘Devilizer’ deshalb ebenfalls in die Symphonic-Metal-Ecke gesteckt werden können, irrt sich gewaltig.
Schon der Opener ‘Breaking News Pt. 1’ geht voll auf die Zwölf, beginnt wie ein Thrash-Metal-Stück, geht dann aber eher in Richtung New-Metal im Stil von ‘Korn’ und Konsorten (mit richtig dreckigem Rap-Part).. Fetter Einstieg. Das folgende ‘Furious Hate’ möchte ich dann mal als Franken goes Metallica bezeichnen. Vor allem die Gitarren-Arbeit sowie die Melodie-Linie gehen voll in diese Richtung. ‘The Ghost I Am’ ist dann eher wieder New-Metal, wobei mich die Gesangs-Linie ein bißchen an ‘Godsmack’ oder auch ‘Avenged Sevenfold’ in härter erinnert.
Nach einem kleinen instrumentalen Zwischenstück (‘Endlessness’) mit fetter Steigerung am Ende des Songs folgt mit ‘Repentance’ ein richtig straighter Rocker sowie mit ‘Carnivore’ wieder ein Song Richtung ‘New Metal’ mit kleinen Rap-Einlagen sowie (Progger-Herz ich höre dich schlagen) ein paar richtig geniale Breaks und Tempowechsel einschließlich genialem Gitarren-Solo.
Von den restlichen 5 Songs, von denen qualitativ keiner abfällt, möchte ich noch 2 aus Progger-Sicht unbedingt herausheben. Da wäre zum Einen das 9 1/2-Minuten-Stück ‘Devil’s Dance’, das recht symphonisch beginnt (hey, vielleicht doch eine kleine Reminiszenz an die Aushilfs-Jobs bei Serenity?), danach getragen, fast düster weiter geht, plötzlich eine weibliche Stimme einsetzt (Georgina Chapple nennt sich die Dame) und dann in einem richtig melodischen Refrain mündet. Der ‘Devil’ darf im Hintergrund auch mal recht böse reingrätschen, wird aber immer wieder von der weiblichen Sirene abgewürgt. Cooles Stück Musik, das am Ende mit fettem Piano und Streichern ganz friedlich zu Ende geht und das das Prog-Metal-Herz auch höher schlagen lassen könnte. Sicher ein absolutes Highlight auf der CD.
Den zweiten Song, den ich noch extra hervorheben möchte ist der Schluss-Track ‘Breaking News Pt. 2’, mit gut 10 Minuten ebenfalls ein richtig abwechslungsreiches Teil zwischen hartem Thrash-Metal, atemberaubenden Gitarren-Parts, genialem Gesang und einem bombastisch-getragenen Ende.
Franken. Muss ich meine Meinung über diesen Landstrich ändern? Also was das rein musikalische betrifft eindeutig JA. ‘Devilizer’ liefern mit ‘The Obscuring’ eine für mich sensationell gute CD ab, die genreübergreifend eigentlich fas jeden Rock- / Metal-Liebhaber begeistern sollte. Was am Anfang wie eine wilde Mischung aus mehreren Stilen klingt, kommt richtig gut zusammen, weil einfach sowohl das Songwriting stimmt, die Musiker ausnahmslos einen perfekten Job machen und vor allem auch die CD selbst einen perfekt abgemischten Sound hat. Essentielles Werk das man unbedingt gehört haben muss. Gibt es bei Amazon und den üblichen anderen Verdächtigen. Mangels Homepage der Band dürfte aber auch eine Bestellung über den Facebook-Account von Devilizer gehen.

Dialeto - Live With David Cross (VÖ:04.06.2018)
Mit der brasilianischen Band ‘Dialeto’ und ihrem Album ‘Live With David Cross’ möchte ich Euch ein Werk vorstellen, das vor allem für Freunde von ‘King Crimson’ richtig interessant sein dürfte. Wie der Name des Albums schon verrät, gibt es hier ein Konzert mit dem Violinisten David Cross, der ja vor allem von ‘King Crimson’ bekannt sein dürfte. Und die Titelauswahl von diesem Konzert, aufgenommen im Jahr 2017 in Sao Paulo, ist auch für Liebhaber des Genres wohl einzigartig. Denn neben 8 Stücken von ‘Bartok in Rock’, dem letzten Studio-Album von ‘Dialeto’, auf dem Werke des Komponisten Bela Bartok’ in ein rockiges Gewand gesteckt wurden, gibt es noch einen Track von der David Cross Band (‘Tonk’) sowie mit ‘Exiles’, ‘The Talking Drum’, ‘Larks Tongues in Aspic Part 2’ sowie ‘Starless’ vier absolute King-Crimson-Klassiker auf die Ohren.
Die Band, bestehend aus Nelson Coelho (Gitarre, Mellotron), Gabriel Costa (Bass, Vocals), Fred Barley (Drums, Vocals) und eben David Cross (Violine), sprüht nur so vor Spielfreude und ich möchte einfach mal behaupten, dass hier ein Konzert für die Ewigkeit abgeliefert wurde. Die Bartok-Stücke sind sensationell gut umgesetzt und jeder Musiker erhält genügend Raum um seine Fähigkeiten zu zeigen. Und einige Parts dürften auch Nicht-Bartok-Kenner doch sehr bekannt vorkommen (ich nenne hier nur mal die Roumanian Folk Dances, bei uns bekannt unter dem Namen ‘Rumänische Volkstänze’). Dass es manchmal ein bisschen in Richtung Jazz abdriftet, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Dies ist aber nicht ganz überraschend, sind Dialeto bei Moonjune Records, dem Jazz-Label aus New York, unter Vertrag.
Die wahren Highlights sind aber tatsächlich die 4 Stücke von ‘King Crimson’, die einfach in brillanter Weise dargeboten werden. Und hier möchte ich vor allem ‘Exiles’ und noch mehr ‘Starless’ herausheben.
‘Live With David Cross’ kann ich nur jedem Musikliebhaber ans Herz legen. Auch wenn ich mit Ausflügen in den Jazz normalerweise nicht viel anfangen kann, bin ich hier wirklich von jedem Track mehr als begeistert. Und Freunde von ‘King Crimson’ können sowieso nicht anders als dieses Werk zu kaufen. Ihr werdet Tränen in die Augen bekommen. Auf YouTube könnt Ihr auch mal suchen. Da gibt es ‘Starless’ sowie ‘The Talking Drum / Larks’ Tongues ...) zum anhören. Und wer mehr Infos über die Band möchte, kann auf der Band-Homepage vorbei schauen.

Dragony - Masters Of The Multiverse (VÖ:12.10.2018)
Dragony, die Symphonic Power Metal Band aus Österreich ist bisher völlig an mir vorbei gegangen, obwohl ‘Masters Of The Multiverse’ bereits das dritte Album ist. Gekauft habe ich mir die Scheibe eigentlich nur weil ‘Dragony’ auf dem vierten und letzten Abschnitt der Symphonic Metal Nights (zusammen mit Temperance, Visions Of Atlantis und Serenity) dabei sind und ich bei insgesamt 3 Konzerte dieser Tour live dabei bin. Und man will sich ja vorher ein bisschen warm hören. Von ‘Dragony’ kennt man in den entsprechenden Kreisen vor allem Sänger Siegfried Samer, der ja bekanntermassen der zukünftige Ex-Sänger von Visions Of Atlantis ist (ja, Siegfried steigt nach der Tour aus persönlichen Gründen bei Visions Of Atlantis aus und wird dann von Temperance-Shouter Michele Guaitoli ersetzt. Es ist angekündigt, dass auf der Tour die Beiden sich das Set von VoA teilen werden).
Aber nun zur CD. Hey ... was für ein geiles Gerät. Schon der Opener ‘Flame Of Tar Valon’ ist ein Symphonic-Metal-Kracher vom Feinsten. Opulenter Beginn mit Orchester und (!) Fanfaren, danach flotte Double-Bass-Drum, fettes Gitarren-Riff, beim einsetzenden Gesang 100% Erinnerung an Visions Of Atlantis (logisch) und dann ein eingängiger Refrain der locker von den alten (und früher noch guten) Rhapsody sein könnte. Gepaart mit orchestralem Bombast, einer kurzen, ruhigen Orchester-Passage mit weiblichem Hintergrund-Gesang, gefolgt von einem fetten Gitarren-Solo und wieder dem Refrain ... geil, einfach geil. Ein Meisterwerk des Symphonic Metal. Den Song gibt es übrigens als Lyric-Video auf YouTube. Dann folgt schon der nächste Hammer mit ‘If It Bleeds We Can Kill It’ (=> geniales, witziges Video ebenfalls auf YouTube und eine Hommage an ihren Landsmann Arnold Schwarzenegger). Nicht ganz so flott wie der Song davor, aber dafür mit einem noch genialerem Refrain. Mein Gott, haben die Jungs ein Händchen für geile Melodien. Der Song geht einem ewig nicht aus dem Kopf. Ich hoffe mal, dass beide Songs auf den Konzerten gespielt werden (beim Schreiben dieser Review sind es noch 2 Tage bis zum ersten Konzert für mich ... bis zur Veröffentlichung des nächsten Updates wird es sicher schon vorbei sein).
Der nächste Track ‘Grey Wardens’ erinnert mich ziemlich stark an Kamelot. Ist nicht ganz so eingängig wie die ersten 2 Stücke aber zeigt auf jeden Fall, dass Dragony mehr drauf haben als nur eine Schiene. Und das Gitarren-Solo ... eieiei ... geil. ‘Defenders’, eingeleitet durch eine weibliche Stimme (es geht leider nicht hervor wie die Dame heißt, da mehrere Gast-Sängerinnen aufgelistet sind) beginnt recht ruhig, wird aber ziemlich schnell wieder zu einer Symphonic-Metal-Hymne.
Die Quoten-Ballade darf natürlich auch nicht fehlen und kommt mit ‘Fallen Star’. Nett und gefühlvoll mit viel akustischer Gitarre, Keyboard-Teppich im Hintergrund und gegen später dann ziemlich opulent instrumentiert. Auch eher typisch für das Genre. Es folgt ‘Angels On Neon Wings’ mit einem Gitarren-Solo von Tommy Johansson (Sabaton), auf den dieser Song auf jeden Fall zugeschnitten wurde. Klingt schon sehr nach seiner Stamm-Band (okay, der Anfang ... aber das Solo ist atemberaubend).
Ein bisschen arg pop-lastig (um nicht zu sagen ein kleines Abschweifen in Richtung Musical) ist ‘Days Of High Adventure’ ... das hätte auch von Dennis DeYoung (Styx) sein können. Das ist zum Glück aber nur ein ‘Ausrutscher’, denn mit ‘Evermore’ wird es dann gleich wieder ein bißchen mehr Symphonic-Metal, obwohl der Song doch auch insgesamt ein bisschen weichgespült ist.
Nachdem diese kurze Durststrecke überwunden wurde, gibt es wieder was zum Matte schütteln. ‘The Iron Price’, auch wieder ein Song der mich sehr an ‘Sabaton’ erinnert mit seinem marsch-artigen Grund-Rhythmus. Geiler Song mit mal wieder einem genialen Refrain und einem mehr als fetten Gitarren-Part. ‘Eternia Eternal (The Masters Of The Multiverse)’ folgt als eingängiger aber von der Melodielinie auch ein wenig sanfter Rausschmeisser (wobei das Gitarren - Keyboard - Battle in der Mitte doch richtig fett ist), der am Ende wieder voll eine Rhapsody-Hymne sein könnte. Interessant und abwechslungsreich ... und ganz am Ende wieder die Fanfaren..
Tja, und dann folgt der Bonus-Track ... und darüber möchte ich eigentlich den Mantel des Schweigens legen. Denn hier hat man sich an den Song ‘The Touch’ von Stan Bush gewagt ... und das finde ich gelinde gesagt nicht sehr gelungen. Aber egal, die Jungs hatten wahrscheinlich ihren Spaß damit.
Insgesamt ist die neue Dragony-Scheibe ein geniales Werk geworden, das hinter den Veröffentlichungen der Genre-Größen in letzter Zeit in nichts nachsteht und ich freue mich auf die 3 Konzerte diese und nächste Woche die ich besuchen werden. Pflichtkauf für Freunde von Symphonic-Metal.
Und noch eine kleine Anmerkung:
Eins von insgesamt drei Konzerten der Symphonic Metal Nights habe ich mittlerweile besucht. Das nächste folgt am Montag. Und was soll ich sagen: auch live sind die Jungs richtig gut. Dass denen das alles richtig Spaß macht, merkt man jede Sekunde. Leider haben Dragony nicht mal ganz eine halbe Stunde gespielt, aber das war echt vom Feinsten.

Enemy Inside - Phoenix (VÖ:28.09.2018)
Mit ‘Enemy Inside’ kommt vielleicht etwas ganz Großes auf uns zu. Die Band gibt es erst seit 2017, aber bereits ihr Erstlings-Werk ‘Phoenix’ ist ganz weit oben in der Tabelle des Genres anzusiedeln. Aber welches Genre? Gute Frage. Der Opener ‘Falling Away’ erinnert mich brutal an Evanesence als sie noch gut waren. Dazu trägt auf jeden Fall die Stimme von Nastassja Giulia bei, die sowas von nach Amy Lee klingt, das gibt es gar nicht. Sie ist übrigens Absolventin der Pop-Akademie Mannheim, war mit 11 Jahren schon bei ‘Star Search’ im Finale und unter anderem mit ‘Beyond The Bridge’ auf Deutschland-Tour. Ich gehe mal davon aus, dass sie dort den Enemy Inside - Bassisten Dominik Stotzem kennen gelernt hat (der auch bei der Deep Purple - Coverband ‘Purple Rising’ mitwirkt) und sie jetzt wieder zusammen Musik machen. Weiter bekannt im Line-Up der Band ist auf jeden Fall Gitarrist Evan K. (Evangelos Koukoularis), den man von ‘Mystic Prophecy’ kennt und der auch bei ‘Exit Eden’ aktiv ist. Die beiden anderen Mitglieder der Band, David Hadarik (Gitarre) und Feli Keith (Drums) sind mir bis jetzt noch nicht bekannt, von daher kann ich dazu leider nichts sagen.
Zurück zur Musik ... die folgenden Songs ‘Bleeding Out’, ‘Phoenix’ und ‘Lullaby’ möchte ich mal als Schnittmenge aus den schon genannten Evanesence, Within Temptation und auch ein bisschen Lacuna Coil bezeichnen, wobei die Songs härter instrumentiert sind als bei Evanesence und nicht so ‘übel’ hart sind wie bei Lacuna Coil, die ja echt teilweise gewöhnungsbedürftigen Tobak darbieten. ‘Lullaby’ gibt es übrigens auch als Video bei YouTube und ist von den 3 genannten Songs der härteste aber auch (vom Refrain her) der eingängigste Song.
Es folgt ein ziemlicher Stil-Wechsel, denn mit dem folgenden ‘Doorway To Salvation’ gibt es dann eher fast Symphonic Metal, das eher zu Delain gepasst hätte. Und als Gast-Sänger haben sie Georg Neuhauser, den Ausnahme-Shouter von Serenity verpflichtet (der von mir aus auch noch ein bisschen präsenter in Szene gesetzt gehört hätte). Aber eine geniale Mid-Tempo-Ballade ist es auf jeden Fall geworden. Für mich das ‘heimliche’ Highlight der CD. Eingängiger, fetter und bombastischer kann man einen Song nicht schreiben. Da ist sogar ein bisschen Gänsehaut garantiert.
Auf die restlichen Songs will ich jetzt gar nicht näher eingehen, denn alle (ohne Ausnahme) sind genial bis zum Schluss. Und alle dann wieder eher in Richtung der erste 4 Tracks. Okay, ‘Halo’ sticht vielleicht noch ein bisschen raus ... wegen dem genialen Refrain, und ‘Dark Skies’, weil dies die obligatorische Quoten-Ballade ist (auch hier Gänsehaut garantiert).
Selbst der Rausschmeißer ‘Summer Son’, eine Cover-Version des Songs der Band ‘Texas’ geht bei mir als richtig genial durch und hat gegenüber dem Original echt noch mehr Hit-Potential (wegen der fetten, harten Instrumentierung).
Fazit: Enemy Inside sind für mich (fast) der neue Stern am Himmel des beschriebenen Genres und ich freue mich schon auf die nächste Scheibe mit hoffentlich noch mehr genialem Output. Hammer ... muss man unbedingt haben.
 

Fates Warning - Live Over Europe (VÖ:29.06.2018)
Nach ‘Still Life’, immerhin schon 20 Jahre auf dem Buckel, gibt es jetzt mit ‘Live Over Europe’ eine weitere Live-Doppel-CD der Prog-Metaller, die, wenn man sich auf die teilweise doch recht komplizierte Musik einlässt, als Meilenstein der Band betrachtet werden könnte. Fast 138 Minuten Best Of ... der Band auf 23 Songs und viele Alben der jetzt 34-jährigen Karriere werden berücksichtigt. Die 3 Erstlingswerke wurden ausgelassen (das waren auch noch eher reine Metal-Albumen und hatten mit dem folgenden Stil nicht viel Gemeinsam), aber ab ‘No Exit’ aus dem Jahr 1988 bis heute (dem letzten Studio-Output ‘Theories Of Flight aus dem Jahr 2016) ist so ziemlich alles vertreten, was Fates Warning so genial machen. Mich persönlich freut es, dass es einige Songs der 2000er CD ‘Disconnected’ auf dieses Album geschafft haben. Für mich immer noch die beste Studio-Veröffentlichung von Fates Warning. Auch die aktuelle Besetzung mit Ray Alder (Vocals ... einfach ein genialer Mann), Jim Matheos (Gitarre ... ein Gott), Joey Vera (Bass), Bobby Jarzombek (Drums) und Michael Abdow als zweiter Gitarrist möchte ich als gesucht und (wieder)gefunden bezeichnen. Wenn man bei so komplizierter Musik so perfekt zusammen harmoniert (das schaffen vielleicht noch Dream Theater), dann kann man nur erahnen, was das alles für Ausnahmekünstler sind. Die CD muss man unbedingt haben, für mich irgendwie auch ein Meilenstein in der Live-Produktion im Prog-Metal-Bereich.

Fields Of Troy - The Great Perseverance (VÖ:30.03.2018)
Dass in Belgien eine richtige Metal-Szene besteht, war mir bisher nicht bewusst. Soweit ich das überblicken kann, sind auf meiner Homepage da eher Veröffentlichungen in Richtung Symphonic Metal oder auch ein paar Sachen von Moonjune, also die Jazz-Prog-Richtung vertreten.
Mit ‘Fields Of Troy’ kommt jetzt aber eine glasklare Metal-Band dazu, die bereits seit 2010 besteht, im Jahr 2016 eine erste EP herausgebracht hat und nun mit ‘The Great Perseverance’ das erste Album in voller Länge auf den Markt wirft.
Stilistisch gehen ‘Fields Of Troy’ ein bißchen in die New-Metal oder Metalcore - Richtung. Da darf zwischendurch auch mal ganz böse gesungen werden. Auch die Melodie-Linien erinnern stark an die Genre-Größen wie ‘Godsmack’ oder auch ein bisschen an ‘In Flames’ ohne Growls. Eine Quoten-Ballade ist mit ‘Last Words’ auch vertreten und überrascht mich dann doch etwas. Richtig schön, gefühlvoll gesungen aber trotzdem mit ein bisschen Bombast.
Für Prog-Freunde ist ‘The Great Perseverance’ jetzt nicht wirklich interessant, für Liebhaber der etwas härteren Gangart, vor allem solchen die dem New-Metal oder auch Metalcore zugetan sind, dürften ‘Fields Of Troy’ eine tolle Neuentdeckung sein.

Heartscore - Black Riders Part 1 (VÖ:01.11.2018)
Man kann dem kreativen Kopf von ‘Heartscore’, also Dirk Radloff, auf keinen Fall unterstellen, dass er musikalisch auf der Stelle stehen bleibt. Seit bereits (glaube ich) 16 Jahren macht er für die Öffentlichkeit Musik und soweit ich mich erinnern kann, habe ich alle Werke von ihm auf meiner Homepage besprochen und keine seiner Alben gleicht auch nur annähernd dem Vorgänger-Album. Klar, Dirk Radloff liebt Literatur und hier vor allem die Dichtung ist ihm ans Herz gewachsen, hat er doch fast nur Gedichte englischer Poeten vertont. Aber das eben in unterschiedlichen musikalischen Ansätzen.
‘Black Riders Part 1’ sagt schon ein bisschen, in welche Richtung es dieses Mal gehen wird ... und dabei ist das Wort ‘Black’ entscheidend. Und nein, keine Soul-CD sondern richtig fetter, harter Metal mit ordentlich Gitarren-Gewitter. ‘Black Riders Part 1) wird am 01.11. veröffentlicht. Und das ist kein Zufall. Denn am 01.11. vor 147 Jahren wurde der amerikanische Dichter Stephen Crane geboren, der bereits mit 28 Jahren an Tuberkulose gestorben ist. Und um Gedichte eben von Stephen Crane geht es auf ‘Black Riders Part 1’.
Für den Gesang hat Dirk Radloff wieder einen gewissen ‘Chris’ verpflichtet, der schon auf dem Vorgänger-Album einen richtig guten Part beigetragen hat und dort ein bisschen an David Clayton-Thomas erinnerte.
Interessanterweise klappt die Stimme auch auf den harten Tracks von ‘Black Riders Part 1’, auch wenn der vorhandene Soul in der Stimme nicht zu verleugnen ist.
Da die Gedichte von Stephen Crane nicht wirklich lang sind, betragen die Spielzeiten der einzelnen Songs (bis auf zwei Ausnahmen) nur gut 2 bis höchstens 3 1/2 Minuten. Lediglich ‘A God In Wrath mit 5 Minuten und der Abschluss-Track ‘In Heaven’ mit einer stattlichen Länge von 6 Minuten sind die Ausreisser..
Auch wenn man für ‘Heartscore’ im Allgemeinen und auch für ‘Black Riders Part 1’ im Besonderen doch etwas Open Minded sein muss, finde ich es total genial, wie ein Musiker, der eigentlich aus der Klassik-Ausbildung kommt und erste mal Violine gelernt hat, hier so ein fett-metallisches Gerät abliefern kann. Für Überraschungen ist Dirk Radloff ja schon immer gut, aber dass er mal in diese Richtung gehen wird, lässt mich schon ein bisschen mit Erstaunen zurück.
Und es nicht damit getan dass Dirk auf der E-Gitarre ein paar fette, düstere Gitarrenriffs zum Besten gibt, nein, zwischendurch darf mal ein Saxophon im Hintergrund spielen (z.B, beim Opener ‘In The Desert’), es kommt eine Drum-Machine zum Einsatz (z.B. bei ‘Mystic Shadow’), eine kleine Anleihe an Techno bleibt nicht verborgen (‘There Was A Crimson Clash Of War’) und auch die Violine darf nicht fehlen (z.B. bei ‘I Stood Upon A High Place’).
Es gibt aber auch richtig ‘zarte’ Momente, auch wenn die recht dürftig gesät sind. So ist z.B. ‘Once I Knew A Fine Song’ eine zuckersüsse Ballade mit Geigen und Hintergrundchor.
Als Fazit kann ich nur sagen, dass Dirk Radloff mit seinem neuen Werk selbst eingefleischte ‘Fans’ seiner Werke bestimmt wieder überraschen wird. Und noch ein kleines Gimmick zum Schluss. ‘Black Riders Part 1’ wurde auch auf Cassette (!!), falls das noch jemand kennen sollte, veröffentlicht. Aber natürlich auch ganz profan als CD. Und das noch auf Wunsch zusätzlich (für 10 Euro mehr) mit einem gedruckten Hardcover-Book mit allen Gedichten sowie Illustrationen des englischen Künstlers Alexander Stanton. Alleine das Buch lohnt sich um auch mal wieder was für seine (literarische) Bildung zu tun. Aber man muss schnell sein, denn sowohl CD als auch Cassette sind auf je 50 Stück limitiert. Da heißt es schnell zugreifen. Der Erwerb des digitalen Downloads geht natürlich unbegrenzt. Zu bestellen gibt es das Werk auf der Bandcamp-Seite von Dirk Radloff.
Ich freue mich schon auf Part 2. Und nachdem Dirk auf Instagram und seiner Facebook-Seite derzeit Gitarren-Soli von alten Queen-Heulern zum Besten gibt, wage ich mal die Aussage, dass der 2. Teil wieder in eine ganz andere Richtung gehen wird.

Maiden United - Empire Of The Clouds (VÖ:08.06.2018)
Im Jahr 2006 fragte der niederländische Iron Maiden - Fanclub Joey Bruers (Bassist von ‘Up The Irons’) ob er nicht Lust hätte, mit ein paar anderen Musikern mal eine akustische Show mit Songs von Iron Maiden zu machen. Die Idee war geboren, das Projekt wurde gestartet, es gab diverse Live-Shows in Europa, 3 Alben (Mind The Acoustic Pieces 2010 - siehe auch meine Review -, Across The Seventh Sea 2012 und Remembrance 2015) sowie eine Schar an namhaften Musikern, die dem Projekt ihren Glanz gegeben haben. Nur um ein paar wenige Namen zu nennen: Als Sänger/innen wurden z.B. Damian Wilson (Ex-Threshold), Wudstik (Ayreon), Anneke Van Giersbergen (The Gathering, Ayreon, Vuur), Marcela Bovio (Stream Of Passion, Ayreon), Paul Di’Anno (Iron Maiden), Blaze Bayley (Iron Maiden), Doogie White (u.a. Rainbow) oder auch Ralf Scheepersf (Primal Fear) verpflichtet, als Musiker unter anderem Ruud Jolie (Within Temptation), Dirk Bruinenberg (Elegy) oder auch Mike Coolen (Within Temptation).
Ich selbst hatte auch das Vergnügen, Maiden United im Januar 2018 in Bad Homburg live zu erleben. Unglaublich beeindruckend.
Und nun gibt es ein weiteres Meisterwerk in Form einer Doppel-EP, auf der das 18-minütige Meisterwerk ‘Empire Of The Clouds’, geschrieben von Bruce Dickinson und veröffentlich auf der Maiden-CD ‘Book Of Souls’, in einer unglaublich guten, 4-teiligen und 23-minütigen akustischen Version dargeboten wird. Erzählt wird die Geschichte des Britischen Luftschiffs R101, das auf seinem Jungfernflug über Frankreich im Jahr 1930 abgestürzt ist.
Besonders gut finde ich den Einbau eines Erzählers in Form von Edward Reekers (Kayak), der einem die Geschichte etwas näher bringt. Alles überragend ist, neben der detailverliebten musikalischen Umsetzung vor allem Wudstik als Sänger. Das gibt mehr als ein Mal Gänsehautmomente. Auch die Verpflichtung von Perttu Kivilaakso (Apokalyptika) am Cello gibt dem Song eine unheimliche Tiefe. Neben den drei genannten Mitwirkenden sowie natürlich Joey Bruers am Bass dürfen Ruud Jolie (Gitarre), Mike Coolen (Drums), Ruud van Loon (Piano) und Thijs Schrijnemakers (Hammond) in beeindruckender Weise zeigen, welch geniale Musiker sie sind.
‘Empire Of The Clouds’ ist ohne Zweifel ein Meilenstein im Bereich der Cover-Versionen, die in keiner CD-Sammlung fehlen darf.
Als Bonus gibt es dann noch eine zweite CD, auf der das Ganze in einer etwas kürzeren Live-Version, aufgenommen im Januar 2018 in Amsterdam, sowie der Song ‘Killer’ verewigt wurden.
Unbedingt vormerken solltet Ihr Euch die offizielle Release-Show am 15. September 2018 in Giessen, die von meinem alten Kumpel aus Fish-Zeiten Michael Rehwald und seinem Konzertbüro veranstaltet wird. Muss man unbedingt gesehen haben und natürlich die CD kaufen. Einfach genial.

Mayan - Dhyana (VÖ:21.09.2018)
Mayan, oder wie sich selber schreiben MaYaN war bis jetzt ein Konglomerat aus wechselnden Musikern unter der ‘Leitung’ des Epica-Gitarristen Mark Jansen, der früher auch schon für die Gründung von ‘After Forever’ verantwortlich war. Lustigerweise übernimmt er bei MaYaN lediglich die ‘Grunts and Screams’, wie es im Booklet so schön heißt. Und nachdem noch ein weiterer Mitwirkender mit diesem ‘Instrument’ verzeichnet ist, nämlich George Oosthoek (Orphanage und Gast bei Delain), kann man schon mal leicht vermuten, in welche Richtung die Musik der Band geht. Wenn man dann noch 2 weitere Vocalisten näher betrachtet, nämlich Henning Basse (Firewind) und Marcela Bovio (Stream Of Passion, Ayreon) und weiter im Booklet entdeckt, dass das City of Prague Philharmonic Orchestra ebenfalls mit am Start ist, dann wird alles klar. Es kann sich nur um Symphonic Death Metal plus Sopranistin samt Orchester handeln. Leider habe ich mich im Vorfeld so gar nicht darum gekümmert, sondern mir die CD einfach mal gekauft, weil ich über Marcela Bovio in Facebook ein paar Mal darüber gelesen hatte.
Aber gut ... man ist ja open minded und hört sich alles mal an. Und ich muss sagen ... dafür dass ich mit Death Metal eigentlich so gar nichts anfangen kann, finde ich ‘Dhyana’ gar nicht so uninteressant. Der Opener ‘The Rhythm Of Freedom’ beginnt dann auch schon recht orchestral und dramatisch, aber es dauert nicht lange bis ein Gitarrengewitter begleitet von Chören aufzieht. Und dann geht’s schon los ... recht ‘sanfte’ Growls (man versteht sogar den Text), im Duett mit dem Klar-Gesang von Henning Basse. Eigentlich eine richtig spannende Mischung. Das geht so gute 7 Minuten auf und ab, Tempowechsel sind mit drin, der Drummer prügelt kräftig einen rein, ein ausgiebiger Instrumentalpart mit atemberaubend schneller Gitarre und Keyboardläufen ist auch vorhanden und gegen Ende wird’s richtig elegisch.. So kann’s eigentlich weitergehen. Beim zweiten Song ‘Tornado Of ‘Thoughts’ geht es auch gleich geschwindigkeitsmäßig so richtig ab, dieses Mal dann dann zusätzlich noch mit der Sopran-Stimme von Marcela Bovio zwischendurch. Auch eine richtig nette Mischung. Und dann auch noch eine weitere weibliche Stimme (ohne Sopran), die ich dann mal einer gewissen Laura Marcì zuordnen würde (die ich leider nicht kenne). Etwas ruhiger dann ‘Saints Don’t Die’, erst mit Sopran, dann dramatisch bombastisch und am Ende dann auch wieder Riff-Gewitter, Growls, Tempowechsel, gepaart mit richtig ‘schönen’, ruhigen Passagen.
Richtig kuschelig ist dann das Titelstück (leider nur knapp 3 Minuten lang) mit akustischer Gitarre, Streichern und einem Duett der zwei Mädels.
Somit ist das musikalische Spektrum der gesamten CD eigentlich weitestgehend besprochen. Auch die restlichen Songs gehen in etwa in die selbe Richtung. Vielleicht noch besonders erwähnen möchte ich den Track ‘The Power Process’, den ich am ‘melodischsten’ bezeichnen könnte und der, neben dem Titelstück, noch richtig positiv heraussticht. Auch das Gitarren-Solo ist fett.
Als Fazit kann ich nur sagen, dass mich MaYaN mit diesem Werk trotz meiner (musikalischen) Vorbehalte richtig überrascht haben. Die insgesamt 64 Minuten werden zu keiner Zeit langweilig, und wer mit Growls und ‘Death Metal light’ keine Probleme hat, sollte sich ‘Dhyana’ auf jeden Fall mal zu Gemüte führen. Richtig gut gemacht das Teil.

Moore, Pamela - Behind The Veil (VÖ:01.05.2018)
Pamela Moore wurde in Prog-Kreisen bekannt, weil sie 1988 auf dem Hammer-Album ‘Operation:Mindcrime’ von ‘Queensryche’ den Part von Sister Mary übernommen hatte. Und auch auf dem 2006 veröffentlichten ‘Operation:Mindcrime II’ durfte sie diesen Part übernehmen.
Eigentlich ist Pamela Moore aber nicht dem Prog-Genre zuzuordnen, denn sie geht in ihrer Solo-Karriere den straighten und rockigen Weg. Ebenfalls im Jahr 2006 wurde das mir bekannte Album ‘Stories From A Blue Room’ veröffentlicht (siehe meine Review) und im Jahr 2013 folgte ein weiteres Album (Resurrect Me), das ich leider nicht kenne. Dort gab es dann Gast-Auftritte von Ralf Scheepers (Primal Fear) und Jeff Loomis (Nevermore).
Und jetzt gibt es mit ‘Behind The Veil’ einen weiteren Output, den ich Euch ans Herz legen möchte. Auch dieses Album ist richtig rockig geworden und begeistert mich von vorne bis hinten. Schon der Opener ‘Rise’, eines der Highlights’ überzeugt durch fettes Gitarren-Riffing, genialem Gesang und einer Melodie-Linie, die einem nicht aus dem Kopf geht. Ein bisschen komplizierter und tragender folgt dann ‘Sickness’ (im Duett mit einer männlichen Stimme), von dem es auf YouTube auch ein Lyric-Video gibt. Auch hier wieder fette Gitarren-Arbeit, die in einem richtig guten Solo mündet. Richtig düster wird es dann bei ‘Beneath The Voodoo Marsh’, das vielleicht noch am ehesten auch an ‘Queensryche’ erinnern könnte. Mit knapp 7 Minuten auch das längste Stück auf dem Album. ‘My Eternal’ beginnt als Ballade, steigert sich dann aber recht schnell zu einem richtigen Rocker (und wieder mit einem geilen Gitarren-Solo). Eine weitere Video-Auskopplung ist ‘WI FI Zombies’, die auf YouTube betrachtet werden kann. Sicher auch eines der Highlights auf ‘Behind The Veil’. Auch ‘These Scars’ gibt es als Lyric-Video auf YouTube und ist vielleicht das erdigste Stück auf dem Album. Pamela Moore kann aber auch ruhig und akustisch mit ‘Just Breathe’. Schöne Ballade. Für mich der absolute Parade-Song ist der Schluss-Track ‘Run’. Selten so ein geniales Werk an Rock-Song gehört. Im Mid-Tempo angesiedelt zeigt Pamela Moore vor allem bei diesem Track, was für eine geniale Stimme sie hat. Das ist Gänsehaut pur und für mich einer der Songs des Jahres 2018.
Leider ist es etwas schwierig, an das Album heran zu kommen. Bei Amazon in Deutschland gibt es das Teil leider nur als Download und auf meine Nachfrage habe ich die Info erhalten, dass das Album in Europa in physischer Form nicht zu erhalten ist. Wer die CD trotzdem in seinen Händen halten möchte, kann sie natürlich direkt auf der Homepage von Pamela Moore für 15 $ bestellen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Mother Bass - Mother Bass (VÖ:15.04.2018)
Schlagzeuger Roy Veltien (von der Band Full Nelson), Rock Tenor Daan Dekker (Armed Cloud) und Bassist Roel van Erp (Ernest van Aaken Band) tummelten sich jahrelang in der niederländischen Live-Szene bis eines Tages der Gitarrist und Song-Writer Friso Woudstra aufgetaucht ist ... eine neue Band namens ‘Mother Bass’ war geboren.
Angesiedelt im eher bluesig angehauchten Hard Rock und mit einigen Reminiszenzen an (in Teilen) Led Zeppelin, Soundgarden oder um eine ‘moderne’ Band zu nennen auch Wolfmother, liefern die Jungs mit dem selbstbetitelten Album auf knapp 40 Minuten ein richtig interessantes Werk ab, das Liebhaber dieses Genres auf jeden Fall gefallen dürfte. Vor allem Sänger Daan Dekker hat in manchen Parts richtig viel von Robert Plant gelernt (z.B. am Schluss von ‘Silver Spoon’, das auf YouTube auch als Video veröffentlicht wurde. Gerade dieser Song zeigt eigentlich alle Trademarks der Band. Dass es auch flotter, ja fast rockig geht, merkt man beim Song ‘Wolfman’. Dort darf Gitarrist Friso Woudstra auch zwischendurch mal zeigen, was er an den Saiten kann. Richtig in Richtung Blues geht es aber ab und zu auch (‘Strangers Once’). Das ist schon richtig cool gemacht. Und noch zu erwähnen wäre auf jeden Fall der Schluss-Track ‘Eventide’, mit gut 6 Minuten auch das längste Stück auf dem Album, das ziemlich viel Abwechslung bietet.
‘Mother Bass’ ist auf jeden Fall interessant für Fans der oben genannten Bands, wobei sie sich eine gewisse Eigenständigkeit bewahren und nicht nur als billige Kopie rüber kommen. Sollte man unbedingt mal reinhören, wenn man auf bluesig angehauchten Rock steht.

Phantom Elite - Wasteland (VÖ:15.04.2018)
Die Band ‘Phantom Elite’ wurde Anfang 2016 eigentlich durch den niederländischen Gitarristen Sander Gommans und der brasilianischen Sängerin Marina La Torraca gegründet. Sander Gommans dürften einigen meiner Leser noch durch seine Zeit bei ‘After Forever’ bekannt sein, die vor allem in den frühen 2000er Jahren zusammen mit der Sängerin Floor Jansen, die ja jetzt den Aufstieg zu ‘Nightwish’ gemacht hat, einige richtig gute, düster angehauchte Symphonic-Metal-Alben herausgebracht haben. Leider hat sich die Band im Jahr 2009 aufgelöst. Marina La Torraca kennt man vor allem von ‘Exit Eden’, einem Zusammenschluss von 4 genialen Sängerinnen (neben Marina noch die wundervolle Clémentine Delauney, Amanda Somerville sowie Anna Brunner), die alte Pop- und Rockhymnen in ein metallisches Kleid gepackt haben => siehe meine Review, sowie von Live-Auftritten mit Avantasia.
Bereits noch im Jahr 2016 wurden 2 Videos (von ‘Siren’s Call’ und ‘Wasteland’) auf YouTube veröffentlicht und tausende Male geklickt, bevor überhaupt eine Live-Show die Band bekannt gemacht hatte. Erster Live-Auftritt war dann beim Femme Festival im September 2017, wo sie den Opener für ‘Delain’ machen durften. Danach folgte die erste Tour durch 5 Länder.
Und jetzt endlich, nach gut 2 Jahren ‘Vorarbeit’, folgt endlich das Debut-Album namens ‘Wasteland’.
Wer jetzt allerdings denkt, ‘Phantom Elite’ tümmeln sich zu 100% im Haifisch-Becken des ‘Female fronted Symphonic Metal’, hat sich ziemlich getäuscht, denn die Band geht, und das finde ich äußerst angenehm, in vielen Teilen einen ganz anderen Weg und hat auch viele progressive Einflüsse zu bieten. Somit unterscheiden sich ‘Phantom Elite’ von den üblichen Verdächtigen des Symphonic Metal und bewahren sich eine gewissen Eigenständigkeit. Grundsätzlich fehlen in weiten Teilen der orchestrale Keyboard--Bombast, der in dem genannten Genre unverzichtbar scheint.
Schon der Opener ‘Siren’s Call’ knallt so richtig ins Ohr mit ordentlicher Geschwindigkeit und 70er Hammond-Orgel Touch im Hintergrund. Fette Gitarren-Riffs prägen den Song sowie ein richtig eingängiger Refrain und ein fettes Gitarren-Solo.. Und der Gesang von Marina La Torraca ist wirklich angenehm aber trotzdem leicht dreckig angehaucht. Wenn man bedenkt dass Marina soweit ich weiß aus dem Musical-Genre stammt, hat sie für eine Rock-Band eine fast perfekte Stimmlage.
Richtig proggig-metallisch wird es bei ‘Rise With The Dawn’, bei dem ein paar richtig geniale Tempowechsel eingebaut wurden und sich fetter Metal mit ruhigeren Passagen abwechseln. Und wieder ein richtig genialer Refrain der nicht mehr aus dem Kopf geht.
Nach ‘Another Day’, das auch richtig rockig und leicht proggig ist, folgt für mich mit dem Titelstück ein absolutes Highlight. ‘Wasteland’ beginnt mit einem Rainbow-Riff, erinnert mich dann an eine Melodie-Linie der Italiener ‘Sleeping Romance’ und mündet (mal wieder) in einem genialen Refrain. Gitarren-Solo, richtig präsentes Keyboard, ein bißchen Heavy Metal, Tempo-Wechsel, akustischer Part mit Gesang, Piano, Streicher, Gänsehaut-Refrain in langsamer. Okay ... dieser Song geht bei mir als Symphonic Metal durch.
Auch die Chöre am Anfang und während des Songs von ‘Revelation’ gepaart mit Double-Bass-Drum sind eher Trademarks des Symphonic Metal. Der Song geht auch richtig treibend nach vorne, dazwischen wieder ein akustischer Part und ein bißchen Bombast. Danach Riff-Gewitter. Richtig cooler Song.
Danach gibt es einen Moment zum Verschnaufen, denn mit ‘Astray’ folgt die erste Ballade. Richtig genial gesungen und begleitet von akustischer Gitarre und waberndem Keyboard-Teppich. Und schon wieder ein Gänse-Haut-Refrain. Gerade bei diesem Song kann Marina La Torraca ihren großen Stimmumfang beweisen und zeigt, dass sie eine große Sängerin ist.
Ein bisschen in Richtung ‘Evanesence’ geht dann ‘Every Man For Himself’, gefolgt von ‘Spectrum Of Fear’, das auch ein paar proggige Elemente beinhaltet.
Richtig flott zur Sache geht es dann mit ‘With The Gods’ weiter (hier mal mit einem kleinen Keyboard-Solo zwischendurch gepaart mit einem fetten Gitarren-Solo), gefolgt von dem eher getragen im Mid-Tempo angesiedelten ‘Above The Crowd’, das auch eher dem Symphonic-Metal zugeordnet werden kann.
Zum Abschluss der regulären CD gibt es dann noch einen reinen Symphonic-Metal-Kracher namens ‘Lockdown’ der sowohl von der Geschwindigkeit her als auch wegen der Instrumentierung auch Genren-Größen gut zu Gesicht stehen würde. Für mich ein weiteres richtiges Highlight des Albums.
Eine weitere Ballade (‘Serenade Of The Netherworld’) gibt es dann noch als Bonus-Track. Wunderschön, episch, gefühlvoll, genial, Gänsehaut-Garantie.
Ich möchte noch erwähnen, dass Gründungsmitglied Sander Gommans nur noch im Hintergrund der Band wirkt und lediglich auf 4 Songs den Bass bedient und auf 3 Songs ein paar Gitarren-Parts eingespielt hat. Ansonsten war er an den Aufnahmen und am Mixing beteiligt.
Wer die Band in nächster Zeit live erleben will, sollte sich die Tour von Kamelot im Herbst 2018 nicht entgehen lassen. Nach meinem Wissen sind ‘Phantom Elite’ bei diversen Konzerten (z.B. bei dem in München Ende September 2018) als Opener gebucht.
Für mich sind ‘Phantom Elite’ eine wundervolle Neu-Entdeckung im (Symphonic-) Metal-Bereich, die vor allem auch durch ihre Eigenständigkeit sowie den zwischendurch recht proggigen Parts sich vom Einheitsbrei abheben. Daneben glänzt dann auch noch Sängerin Marina La Torraca durch eine hervorragende Stimme. ‘Wasteland’ dürfte somit in keinem gut sortierten CD-Regal fehlen. Diverse Videos, z.B. vom Titelstück gibt es auf YouTube.

Project Patchwork - ReFlection (VÖ:16.03.2018)
‘Project Patchwork’ ist ein Studio-Projekt der zwei deutschen Musikern Gerd Albers und Peter Koll. ‘ReFlection’ ist das bereits zweite Album dieses Zusammenschlusses, denn bereits vor 3 Jahren wurde ‘Tales From A Hidden Dream’ veröffentlicht. Leider ging dieses Werk komplett an mir vorbei. Das ist um so ärgerlicher, weil ich von ‘ReFlection’ so richtig angetan bin.
Wie es sich für eine Patchwork (Familie) gehört, wurden von den Herren Albers und Koll nicht weniger als 21 ‘Kinder’ (Gast-Musiker) adoptiert, um dieses Epos auf die Welt zu bringen (ich hoffe ich habe mich jetzt nicht verzählt). Zwar übernimmt Gerd Albers viele Instrumente selbst (Gitarren, Drums) und steuert auch diverse Backing Vocals bei (Peter Koll scheint nur für die Aufnahmen und das Vorab-Mixing verantwortlich gewesen zu sein), aber die Liste der Gast-Auftritte ist doch sehr namhaft.
Um mal einige (mir bekannte) ‘Kinder’ dieser Patchwork-Familie zu nennen:
Da wäre mal die halbe Band ‘Toxic Smile’ (siehe meine Reviews) mit dem begnadeten Marek Arnold (Keyboard, diverse Blasinstrumente und auch für den Mix verantwortlich) und dem genialen Sänger Larry B. (Brödel). Dann Martin Schnella (Gitarre, Gesang) von der Band ‘Flaming Row’ und ‘Seven Steps To The Green Door’ und Melanie Mau (Gesang), die schon viel mit Martin Schnella gemacht hat. Dann noch Markus Steffen (Gitarre), bekannt von ‘Sieges Even’ und ‘Subsignal’ sowie John Mitchell (Gitarre), den man ja vor allem von ‘Arena’ kennt.
Musikalisch geht es auf eine Reise des Progs der 70er bis 90er gepaart mit vielen Einflüssen des Folk, zwischendurch auch ein paar härtere Parts mit fetter Gitarre. Also genau so wie es sich für eine richtige Patchwork-Familie gehört. Hier auf jeden einzelne Song einzugehen würde diese Review echt sprengen, sind doch wirklich zu viele Einflüsse / Stile in ‘ReFlection’ vereint. Eines kann ich nur sagen. Wer nur halbwegs auf abwechslungsreichen Prog steht, der meist im eher ruhigen Fahrwasser schwimmt aber ab und zu auch eine gewisse Härte aufweist, kann mit ‘Project Patchwork’ wirklich nichts falsch machen. Songs wie ‘Struggle And Agony’ mit wirklich allen Facetten des Prog, ‘Fear Of Loss’ mit einem Saxophon-Solo (ich denke von Marek Arnold), das auch auf der ‘Wish You Were Here’ von Pink Floyd hätte drauf sein können, ‘A Winter’s Tale’, einem richtig genialen, folkig angehauchten Song mit Melanie Mau als Sängerin oder auch ‘Yearning For Confraternity’ (die Gitarre ist eindeutig Markus Steffen ... das ist so Subsignal) mit einem genialen Gesang von Larry B. (denke ich doch) sind einfach für das Progger-Herz gemacht. Und die wirklich saubere Produktion von Marek Arnold tut dann noch ein Übriges. Und ... was den Progger natürlich noch mehr freut ... fast alle Songs haben eine Länge von 7 bis fast 10 Minuten. Da weiß man dann auch dass es zu keiner Sekunde langweilig wird.
Richtig gutes Album, das ich jedem Prog-Fan nur ans Herz legen kann. Mehr Infos gibt es auf der Homepage des Projekts.

Primal Fear - Apocalypse (VÖ:10.08.2018)
Seit ich meine Lieblings-Schwaben-Metaller verfolge, und das ist jetzt schon seit ewigen Zeiten, haben sie noch nie auch nur eine ansatzweise schlechte CD heraus gebracht. Und auch wenn sich der Stil in den letzten Jahren (oder besser Jahrzehnten) nicht wirklich verändert hat, kann ich bis heute nicht behaupten, dass Primal Fear irgendwann mal langweilig gewesen wären. Auch diverse Konzert-Besuche waren immer ein richtiges Highlight, auch weil Ausnahme-Sänger Ralf Scheepers die Studio-Leistung locker auch auf die Bühne bekommt oder sie (teilweise) sogar noch toppt.
Um schon mal das Fazit vorweg zu nehmen, auch mit dem neuesten Werk ‘Apokalypse’ setzt sich dieser Trend fort. Nach dem instrumentalen, orchestralen, bombastischen Opener ‘Apocalypse’ folgen 10 Metal-Kracher, angefangen mit ‘New Rise’, das eher in Richtung Speed-Metal geht, über die Video-Auskopplung ‘King Of Madness’, die etwas gemächlicher daher kommt, der sozusagen Quotenballade ‘Supernova’ (mal wieder richtig geil), dem obligatorischen Long-Song ‘Eye Of The Storm’ (immerhin mal wieder fast 8 Minuten lang) bis zum fetten Rausschmeisser ‘Cannonball’. Alles ohne einen Skip-Song. Auch da ... wie immer halt.
Auf der Limited Edition folgen dann noch 3 Bonus-Tracks, von denen ich vor allem ‘Fight Against All Evil’ und ‘My War Is Over’ (Gänsehaut-Ballade einschließlich geilem Gitarren-Solo) richtig genial finde. Dazu gibt es dann auch noch eine DVD mit 2 Videos (King Of Madness, The Ritual) sowie ein Making Of ...
Was soll ich sagen ... auch mit Apocalypse bedienen Primal Fear die Fans zu 100%. Pflichtkauf für Freunde des Genres.

Redemption - Long Night’s Journey Into Day (VÖ:27.07.2018)
Von den von mir bereits besprochenen 2 Outputs von ‘Redemption’, nämlich ‘Snowfall on Judgment Day’ sowie ‘The Art Of Loss’ (siehe meine Reviews) war ich ja so richtig begeistert. Und das lag unter anderem am Mitwirken des Fates Warning Sängers Ray Alder. Nun liegt mir der neueste Output ‘Long Night’s Jorney Into Day’ vor, ich lese mir das Booklet durch und finde als Sänger Tom S. Englund. Ja genau ... der Sänger von Evergrey. Ups ... aber offensichtlich hatte Ray Alder in den letzten 2 Jahren kaum Zeit, sich um die Belange von ‘Redemption’ zu kümmern und weiter mit der Band auf Tour zu gehen und so kam man zu dem Entschluss sich zu trennen.
Der Titel der neuen CD ist somit vielleicht auch ein bisschen auf diese Entwicklung zu münzen, also nach einer langen Dunkelheit kommt wieder Licht (in die Band) ... oder so. Keine Ahnung.
Man darf gespannt sein, ob Tom S.Englund in der Zukunft Zeit haben wird, neben seinem Haupt-Job bei Evergrey auch mit Redemption auf Tour zu gehen. Ich hoffe es echt, denn der Mann, das will ich schon mal vorweg nehmen, macht auf diesem Output einen sensationell guten Job und mir gefällt seine Stimme die gegenüber den Evergrey-Sachen noch gefühlvoller rüber kommt, ausgesprochen gut. Und das würde ich liebend gerne mal live erleben.
Musikalisch hat sich bei Redemption nicht viel geändert (zum Glück), denn Band-Leader Nicolas van Dyk, der auch für die Gitarren und Keyboards verantwortlich ist, hat auch weiterhin das Songwriting in der Hand (bis auf einen Song, nämlich der genialen U2-Cover-Version von ‘New Year’s Day’), wobei ich manchmal den Eindruck habe, dass die Melodie-Linien ein bisschen an den neuen Sänger angepasst wurden, klingt doch manches gesanglich doch etwas nach Evergrey (und das nicht nur wegen der Stimme). Trotzdem sind alle Trademarks der früheren Alben geblieben. Geile, lange, teilweise komplizierte Prog-Metal-Songs, die immer wieder in einen genialen, melodischen Refrain münden. Beste Beispiele hierfür sind der Opener ‘Eyes You Dare NOt Meet In Dreams’ (okay, mit 5 1/2 Minuten fast der Short-Track) sowie das folgende ‘Someone Else’s Problem’ das es auch als Video auf YouTube zu bestaunen gibt. Unbedingt reinhören.
Ganz ehrlich? Ich habe keine Lust, jetzt hier jeden einzelnen Song zu besprechen, denn dieses Niveau geht gerade so weiter ohne eine Sekunde langweilig zu werden und endet mit dem Über-Highlight, dem Titelstück mit schlappen 10 1/2 Minuten. Da wird geproggt bis zum bitteren Ende und jeder der beteiligten Musiker darf ausschweifend zeigen was er drauf hat. Hammer.
Auf der ersten Edition gibt es dann noch 2 Bonus-Tracks, unter Anderem den Radio Edit von ‘Someone Elses Problem’, gekürzt auf knapp 5 Minuten.
Für mich bisher die Prog-Metal-Scheibe des Jahres 2018 und ich befürchte mal, dass nichts Besseres mehr kommen wird. Muss man haben.

Romeo, Michael - War Of The Worlds Pt. 1 (VÖ:27.07.2018)
Solo-CDs von Gitarristen können grausam sein. Da habe ich diverse Beispiele im Regal stehen. Solo-CDs von Gitarristen können aber auch richtig gut sein. Auch hiervon gibt es einige Beispiele.
Nun kommt Saiten-Held Michael Romeo (bekannt natürlich von der genialen Prog-Metal-Band Symphony X) ebenfalls mit einem Ego-Trip daher. Und wie der Titel des Albums schon erahnen lässt, geht das (in Teilen) ein bisschen in Film-Musik. Naja, wenn man den Opener ‘Introduction’ anhört, könnte man echt schon Schlimmes erahnen. Orchestraler Beginn (echt Film-Musik), aber es dauert nicht lange und man kann die Stamm-Band von Herrn Romeo erkennen ... geniales Symphony X - Riffing at it’s best würde ich mal sagen. Und ‘War Of The Worlds Pt. 1’ ist jetzt mitnichten ein instrumentales Album geworden. Denn schon auf dem zweiten Song ‘Fear The Unknown’ kommt Sänger Rick Castellano zum Einsatz, Den Mann kenne ich leider überhaupt nicht, aber er hat etwas von Ronnie James Dio (und der Song hat zwischendurch etwas von Rainbow’s ‘Kill The King’ was vor allem an der Gitarrenarbeit liegt). Könnte auch echt ein Song von Symphony X mit neuem Sänger sein. Richtig geil. Und ähnlich fett geht es weiter. Metallisch (‘Black’), ein bißchen elektronisch (‘Fucking Robots’), das dann zwischendurch beim Refrain nach Dream Theater klingt, leicht orientalisch (‘DJinn’) mit Anleihen an Nightwish (vor allem die Chöre zwischendurch) und einem atemberaubenden Gitarren-Part. Dann eine über 8-minütige Ballade (‘Believe’), bei der vor allem Rick Castellano richtig genial singt, gefolgt von einem Song der wieder eher an die Stamm-Band von Michael Romeo erinnert (‘Differences’). Dann ein bißchen instrumentale Film-Musik (‘War Machine’), Metal-Kracher (‘Oblivion’) und das abschließende ‘Constellations’, das den Hörer noch etwas zur Ruhe kommen lässt und vielleicht noch am ehesten an Prog erinnert.
Noch zu erwähnen wäre vielleicht, dass neben dem Bassisten John Deservio (den kenne ich leider auch nicht) kein Geringerer als John Macaluso an den Drums sitzt, den man ja von diversen Bands wie Ark, Labyrinth, TNT oder auch Jorn kennt.
Insgesamt ist ‘War Of The Worlds Pt. 1’ eine richtig gute, interessante und abwechslungsreiche Scheibe geworden, die ich uneingeschränkt empfehlen kann, weil es eher ein (Prog-) Metalalbum geworden ist und nicht wie der Titel vermuten lässt reine Film-Musik. Gut gemacht und ich freue mich auf Part 2.

Saga - So Good So Far (Live at Rock Of Ages) (VÖ:28.09.2018)
Soweit ich mich erinnern kann, haben Saga schon ein paar Mal eine Abschiedstour gemacht. Aber gut ... die Rolling Stones machen das seit gefühlten 20 Jahren. Sei’s drum. Ich freue mich eigentlich über jede Tour, die die Band noch macht, begleiten sie mich doch schon fast mein ganzes musikalisches Leben (mein erstes Saga-Konzert war glaube ich auf der Tour nachdem sie die Platte ‘Worlds Apart’ herausgebracht haben, und das war im Jahr 1981). Und auch wenn die letzten paar Studio-CDs nicht wirklich herausragend waren (okay, ein paar gute Songs waren immer dabei), gab es auf Konzerten neben 2 neuen Songs dann doch immer wieder ein Best Of ... Und das ist auch das was die Fans auf die Konzerte getrieben haben.
Nun gibt es also eine neuen (und vielleicht wirklich letzten) Live-Output der Band. Aufgenommen wurde das Konzert vom Rock Of Ages Festival in Seebronn (Baden-Württemberg). Sozusagen das Schwester-Festival von Bang Your Head für die ältere Generation. Erstaunlich, was die Organisatoren des Festivals immer für ‘alte’ Bands Jahr für Jahr ausgraben. Im letzten Jahr war nun also Saga (neben z.B. Marillion, Gotthard, Dee Snider, Hello und der Spider Murphy Gang) als Top Act gebucht. Und wie es so kommt, wurden da neben ganz wenig neuen Songs wieder die ganzen alten Heuler gespielt. Also Time’s Up, Careful Where You Step, Humble Stance, Scratching The Surface, You’re Not Alone, Don’t Be Late, The Flyer und Wind Him Up. Und das alles in einer richtig guten Sound-Qualität sowie mit viel Spaß sowohl bei den beteiligten Musikern als auch beim Publikum. Daher kann ich nur empfehlen, dass Ihr Euch nicht nur die Doppel-CD besorgt sondern das Package zusammen mit der DVD, damit Ihr das ganze dann auch noch visuell verfolgen könnt. Ein krönender Abschluss von ca. 40 Jahren Saga. Muss man als Fan unbedingt haben.

Starfish64 - The Future In Reverse (VÖ:11.06.2018)
’Starfish64’ war, wenn man dem Internet Glauben schenken kann, zuerst ein Projekt von Dieter Hoffmann, das jetzt zu einer festen Band zusammengewachsen ist. Die ersten Spuren von ‘Starfish64’ findet man mit der Veröffentlichung des Albums ‘Refugees’ aus dem Jahr 2015, auf dem Dieter Hoffmann noch als einziger Verantwortlicher genannt wurde und mit vielen Gästen das Werk aufgenommen hat. Das folgende ‘An Altered State Of Joy’ (2016) wurde dann schon zusammen mit Henrik Kropp (Drums) und Dominik Suhl (Gitarre, Keyboards) als feste Band-Mitglieder veröffentlicht und hatte wohl, alleine wenn man die Songs heranzieht, einen Stilwechsel zur Folge. Waren auf dem ersten Album noch viele kürzere Songs vertreten, wurde auf dem Nachfolger mehr Wert auf Long-Songs gelegt (alleine der Opener hatte 23 1/2 Minuten zu bieten). Das nun dritte Werk ‘The Future In Reverse’ hat mit Martin Pownall (Gitarre, Vocals, Bass) ein weiteres Band-Mitglied dazu bekommen. Und mit Kass Moody (Bass), Julie Pownall (Vocals), Jan Thiede (Gitarre, Vocals) sowie Simon Triebel (Gitarre, Keyboards) sind weitere Gäste vertreten. Simon Triebel kennt man vielleicht auch als Gitarristen der Band ‘Juli’.
Das Album beginnt mit ‘Yesterday’s Favourite Smile’, einem recht eingängigen, fast poppigem Song mit leichtem Art-Rock-Einschlag. Das folgende ‘Tomorrow In Dark Water’ ist recht ruhig und atmosphärisch mit einem Touch in Richtung alte Genesis, was vor allem an den Keyboards liegt. Dann kommt der erste Long-Song ‘Determination’, mit knapp 13 Minuten zuerst ein bisschen Richtung Pink Floyd (‘Echoes’ lässt grüßen), dann etwas dichter und bombastischer (richtig geil die stets wimmernde Gitarre im Hintergrund) und nach 8 1/2 Minuten recht elektronisch (Erinnerungen an Vangelis werden wach) und wieder zurück Richtung Pink Floyd. Ein sehr guter, abwechslungsreicher Song. Dann mit ‘Molehills’ wieder ein recht kurzes Stück (gerade mal 4 Minuten), wie der Opener eher einfach gestrickt mit Art-Rock-Anleihen. Leider sind wir dann mit ‘Charting An Abyss’ schon am Schluss des Albums angekommen. Doch hier werden auf über 18 Minuten nochmals alle Register des Prog- und Art-Rock gezogen. Keyboard-Teppich, ausufernde, gefühlvolle Gitarre, akustische Parts, richtig gute Melodie-Linien, Breaks und ein schöner Piano-Part am Schluss.
Auch wenn ‘The Future In Reverse’ gerade mal 46 Minuten auf die Beine bringt, ist es meiner Meinung nach im ruhigen Prog-Bereich / Art-Rock / Space-Rock ein richtig gutes Album geworden, das zu keiner Sekunde langweilig wird. Zu kaufen ist das Werk entweder bei Just For Kicks oder direkt über die Bandcamp-Seite von Starfish64. Unbedingt reinhören.

Tarja - Act II (VÖ:26.07.2018)
Von der Ex-Chanteuse von Nightwish, Tarja Turunen, kann man ja halten was man will ... aber wer auf Sopran-Stimmen im Metal-Bereich steht, wird auf jeden Fall zugeben müssen, dass Tarja hier ganz oben auf der Skala performt. Kein Wunder, als ausgebildete Sopranistin. Ihre Solo-Karriere hatte meiner Meinung nach musikalisch Höhen und Tiefen, doch die letzten 2 Studio-Outputs ‘The Brightest Void’ und ‘The Shadow Self aus dem Jahr 2016 (siehe meine Reviews) gingen eindeutig wieder in die richtige Richtung. Dies war auch der Grund, dass ich die darauf folgende Tour (in Stuttgart) besucht habe. Und ich muss sagen, dass ich mehr als begeistert war.
Von dieser Tour gibt es jetzt ein dickes Paket mit 2 BluRays, 2 CDs und einem 100-seitigen Booklet. Auf den BluRays sind, neben den üblichen Interviews etc. insgesamt 4 Konzerte verewigt. Da wäre zuerst ein recht intimes Konzert mit geschätzten 50 Zuschauern in den Metropolis-Studios in London (ganz nett ... insgesamt 12 Songs), dem Haupt-Konzert aus dem Teatro della Luna Assago in Mailand (das auch auf den 2 CDs drauf ist), dem Auftritt beim Woodstock Festival in Polen sowie Aufnahmen vom Hellfest in Frankreich.
Hauptaugenmerk wurde vor allem auf die Songs der letzten 2 Studio-CDs gelegt (was doppelte Songs der weiteren Live-Veröffentlichungen in der Vergangenheit vermeidet). So kommt man in den Genuss diverser Song-Perlen wie ‘No Bitter End’, Eagle Eye’, ‘Demons In You’, dem Muse-Cover ‘Supremacy’, Innocence’ oder auch ‘Too Many’. Aber auch ältere Songs wie z.B. ‘I Walk Alone’ oder einem kleinen Nightwish-Medley wird genügend Platz eingeräumt. Sound und Bild ist perfekt.
Für Tarja-Fans ist dieses Paket sicher unverzichtbar. Für Neulinge, die die Frau noch nicht kennen, ist es meiner Meinung nach die bisher beste Live-Veröffentlichung.

Tumble Town - Never Too Late (VÖ:21.05.2018)
Tumble Town ist ein Projekt von Han Uli (Seven Day Hunt, Antares), Aldo Adema (Egdon Heath, Seven Day Hunt) und Erik Laan (Silhouette). Zumindest die zwei genannten Bands ‘Egdon Heath’ und ‘Silhouette’ sind mir noch aus den 90ern als lupenreine Prog-Bands bekannt. ‘Seven Day Hunt’ scheint so etwas wie die Nachfolge-Band von ‘Egdon Heath’ zu sein, beide Musiker verließen aber diese Band im Jahr 2009 um sich entweder Solo-Projekten zu widmen (Han Uli) oder sich als Producer zu versuchen (Aldo Adema als Produzent bei Silhouette). Auf einem Solo-Album von Han Uli gab es dann eine Zusammenarbeit bei einem Song mit Aldo Adema und dabei beschloss man dann, ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen. Die Geburtsstunde von Tumble Town. 2013 wurde dann das erste Album (Done With The Coldness) veröffentlicht, auf dem Erik Laan als Gast-Musiker an den Keyboards dabei war. So also die aktuelle Besetzung plus Erik’s Sohn Arjan an den Drums.
Die Altmeister der niederländischen Prog-Szene liefern mit ‘Never Too Late’ auf jeden Fall ein richtig gutes Prog-Album ab, das zwischen Retro- und Neo-Prog stilsicher wandelt. Ausufernde Instrumentalparts mit mal wimmernder, mal härterer Gitarre, viel Keyboard-Teppich, manchmal Gesang der eher an Steven Wilson / Porcupine Tree erinnert. Es gibt 2 herausragende Long-Tracks, nämlich ‘Transatlantic’ mit über 11 Minuten und ‘All Because Of Me’ mit knapp 8 1/2 Minuten, auf denen die musikalischen Wurzeln (eben Egdon Heath bzw. Silhouette) mehr als deutlich heraus kommen, es gibt eine Art Ballade mit ‘Avalon’ mit richtig geilen Gitarren-Parts, die auch wieder an genialen Prog des letzten Jahrtausends erinnern lassen.
Insgesamt ist ‘Never Too Late’ richtig viel Prog der 90er, der wirklich sehr gut gemacht ist und es freut mich ungemein, dass es noch Bands (oder besser Projekte) gibt, die dieses Genre auf so eine herausragende Weise hin bekommen. Viele Bands die das versuchen, langweilen mich eigentlich sehr (Flower Kings, Karmakanic und wie sie alle heißen), bei ‘Tumble Town’ fand ich jede Minute spannend. Proggies können auf jeden Fall zugreifen. Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage.

Twenty Four Hours - Close - Lamb - White - Walls (VÖ:25.10.2018)
Twenty Four Hours (TFH) ist die vielleicht älteste Psychedelic-Prog-Band in Italien. Bereits im Jahr 1982 gegründet wurde 1991 das erste Album ‘The Smell Of The Rainy Air’ in Eigenproduktion aufgenommen. 1994 folgte das zweite Album und seit dem Jahr 1999 ist die Band beim französischen Prog-Label ‘Musea’ unter Vertrag und hat dort ebenfalls schon diverse Alben veröffentlicht.
Mit ‘Close - Lamb - White - Walls’ gibt es nun die bereits sechste Studio-Veröffentlichung. Wie der Name schon etwas vermuten lässt, gibt es hier auf diesem Doppel-Album eine Hommage an 4 historische Meisterwerke, nämlich ‘Closer’ (von Joy Division), ‘The Lamb Lies Down On Broadway’ (Genesis), das ‘White Album’ (Beatles) sowie ‘The Wall’ (Pink Floyd). Ziemlich hohe Hürden würde ich mal sagen.
CD 1 beginnt mit dem Song ‘77’, der eher ein bisschen an King Crimson erinnert, die letzten 2 Minuten dann aber herrliches Battle zwischen Gitarre und Hammond-Orgel bietet. Schon mal ein richtig guter Einstieg. Das nächste Stück ‘Broken Song’ bringt dann ein Pink Floyd - Feeling rüber. Allerdings nicht wie gedacht aus der ‘The Wall’ - Zeit sondern eher früher (das erinnert mich eher an ‘The Dark Side Of The Moon’). Richtig guter Track. Ausufernde Gitarren dann bei ‘Embryo’, einem Pink Floyd - Cover. Geht runter wie Öl. Nach dem recht kurzen ‘What Use’ folgt dann mit ‘All The World Needs Is Love’, das zuerst recht gemächlich und ruhig beginnt (und mich vom Gesang her ein bißchen an ‘Clepsydra’ erinnert) um dann nach knapp 4 1/2 Minuten in ein ausuferndes Gitarren-Solo zu münden und mit Saxophon-Klängen zu enden. ‘Intertwined’ ist dann ein eher ‘merkwürdiger’ Song mit Sprachgesang, vielen elektronischen Klängen und Violine. Es folgt dann mit ‘Urban Sinkhole’ der Abschluss von CD 1, einem 10-minütigen Song mit treibendem Rhytmus, ein paar richtig guten Breaks und tatsächlich ein paar Anleihen an ‘The Lamb Lies Down On Brodway’:
CD 2 steht am Anfang ebenfalls ganz im Zeichen von Genesis. Denn ‘Adrian’ (manchmal klingt die Stimme echt ein bißchen nach Peter Gabriel) und vor allem ‘Supper’ Rotten’ (15 1/2 Minuten !) lassen echt Erinnerungen wach werden. Die restlichen 3 Songs sind dann, mit Ausnahme von ‘She’s Our Sister’ nicht ganz so mein Fall, wobei der Schluss von ‘What Use’, dem Abschluss-Stück des Albums, dann doch wieder richtig interessant ist.
Fazit: Mit ‘Close - Lamb - White - Walls’ haben ‘TFH’ ein richtig interessantes Doppel-Album abgeliefert, das Prog-Freunde auf jeden Fall gehört haben müssen. Anleihen an Pink Floyd (aber leider nicht an ‘The Wall’) und Genesis sind ganz sicher vorhanden, die Beatles höre ich (zum Glück) nicht raus und mit Joy Division habe ich mich in meiner Karriere noch nicht beschäftigt. Mehr Infos auf der Homepage der Band.

Unkh - Innerverse (VÖ:28.05.2018)
Die niederländische Prog-Szene ist einfach unermesslich. Immer wieder erstaunlich, welch interessante Bands man da entdecken kann. Wie z.B. ‘Unkh’. Bestehend aus 4 Jugend-Freunden, die schon immer dem Prog zugetan waren und eine Band auf die Beine gestellt haben. Im Jahr 2014 haben sie schon einmal ein Album (‘Traveller’) heraus gebracht, so wie ich gelesen habe ein Stil-Mix aus 70er Prog und 80er New Wave. Es folgten Touren mit ‘Frequency Drift’ und ‘Anima Mundi’ und jetzt mit ‘Innerverse’ ein weiteres Album.
Lediglich 5 Songs sind auf der CD vertreten, darunter allerdings 2 geniale Long-Tracks. Das beginnt mit dem Opener ‘Paranoid Void’ mit knapp über 10 Minuten. Der Song ist sehr elektronisch gehalten, hat aber auch ein paar richtig gute Gitarren-Parts. Dazu teilweise mehrstimmiger Gesang und einen genialen Rhythmus. Richtig cooler Song, wenn man auf elektronischen Prog steht.
Danach folgt ‘Deep’, eingeleitet mit Piano-Klängen, dann Keyboard-Teppich und verzerrte Gitarre, harte Gitarren-Riffs ... ein instrumentaler Retro-Progger im modernen Gewand. Das folgende ‘The Showcase’ erinnert mich leider zu sehr an die Beatles (die ich ja nicht wirklich mag). Hätte auf dem ‘Weißen Album’ sein könnnen. Ein bisschen schräg alles, aber nett gemacht.
Der kürzeste Song ‘Slumber’, gerade mal 3 Minuten lang, ist von der Grundstimmung her etwas von ‘The Carpet Crawlers’ (Genesis) geklaut (also Gesang plus Tastenbegleitung gehen einfach voll in die Richtung).
Und dann folgt mit ‘Dreamcatcher’ schon der Abschluss-Song, dieser allerdings gut 19 Minuten lang. Und das ist Retro-Prog at it’s best. Geniale Instrumental-Parts, eine unglaubliche Steigerung des Songs innerhalb der ersten 12 Minuten bis zum Bombast und richtig fetter Gitarre, dann wieder ruhig, elektronisch, vertrackt und mit einem hammermäßigen Schluss. Eindeutig das Herzstück und der beste Song des Albums.
Wer auf elektronisch angehauchten (Retro-) Prog steht, sollte ‘Innerverse’ auf jeden Fall im CD-Regal haben. Ziemlich eigenständiges Album, das eigentlich mit keiner anderen Band aus dem Genre vergleichbar ist. Unbedingt antesten. Mehr Infos gibt es auf der Band-Homepage.

 

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