Neue CD-Kritiken

Neue CD-Kritiken

 

Hier findet Ihr die neuesten CD-Kritiken der letzten Updates. Über Musik lässt sich nicht streiten, nur diskutieren. Deswegen bitte bitte keine beleidigenden Mails mehr, nur weil ich Eure Lieblings-CD schlecht kritisiert habe. Das hier ist AUSSCHLIESSLICH MEIN Musikgeschmack (bzw. natürlich der Geschmack meiner Co-Kritiker). Ich halte Euch ja auch nicht für blöd, nur weil Ihr Helene Fischer oder Andrea Berg gut findet. Schickt mir dann lieber eine Gegen-Kritik als TXT-Datei. Die wird dann selbstverständlich auch veröffentlicht.

Und wer Schreibfehler findet darf sie behalten !!

 

02.09.2016

18.10.2016

04.02.2017

Big Big Train - Folklore

Blind Ego - Liquid

Athorn - Necropolis

Delain - Moonbathers

Boscher, Xavier - Pentagramme

Bush, Kate - Before The Dawn

DGM - The Passage

Bovio, Marcela - Unprecedented

Firewind - Immortals

Lanfear - The Code Inherited

Epica - The Holographic Principle

In Flames - Battles

Poor Genetic Material - Absence

Evergrey - The Storm Within

Metallica - Hardwired ... To Self-Destruct

Tarja - The Shadow Self

Marillion - F.E.A.R.

Oldfield, Mike - Return To Ommadawn

Vivaldi Metal Project - The Four Seasons

Meier, Nicolas - Infinity

Oxley, Pete / Meier, Nicolas - The Colours Of Time

 

Opeth - Sorceress

Pain Of Salvation - In The Passing Light Of Day

 

Ümit! - The Spirit Of Ümit!

Scarlet Aura - Falling Sky

 

Wilson, Damian - Built For Fighting

 

 

Athorn - Necropolis (VÖ:16.09.2016)
Die deutsche Progressiv-Death-Metal / Power-Metal-Band ‘Athorn’ legt nach 6 Jahren (2010 wurde das Album ‘Phobia’ veröffentlicht) mit ‘Necropolis’ ein neues Werk vor. Es ist ein Konzeptalbum geworden das uns erzählt was passiert wenn die Welt von einem Meteoriten getroffen wird und die Menschheit in Zombies verwandelt. Naja ... ich hoffe mal nicht dass die Musik so schlimm ist wie die Geschichte :-). Aber ich kann Euch beruhigen. ‘Necropolis’ ist eine richtig gute Scheibe mit der passenden Härte aber auch mit viel Händchen für Melodie geworden.
Der Opener ‘11111011000’ stimmt schon mal auf die Endzeit-Stimmung ein mit Streichern, Nachrichtensprecher im Hintergrund und zwischendurch durch den Einsatz einer Mundharmonika auch ein bißchen in Richtung Endzeit-Western (Morricone lässt grüßen).
Das folgende ‘Another Day In Hell’ zeigt dann aber schon die ganzen Trademarks von ‘Athorn’, nämlich geiler Gesang von Carsten Frank mit eingestreuten Growls (die sich zum Glück für meine Ohren in Grenzen halten), fettes Gitarren-Brett (Björn Spier und Tobias Liedtke), Bass-Gewummer (Matthias Brandt) und tolle Schlagzeug-Arbeit (Philipp Horst). Soundtechnisch ist auch alles im grünen Bereich. Wären die Growls nicht, könnte man fast ein bißchen an ‘Angel Dust’ in ihren besten Zeiten denken, wobei Carsten Frank von der Stimmfarbe nicht wirklich Ähnlichkeit mit Dirk Thurisch hat. Und es geht gerade so weiter. ‘The Dark Breed’ ist ein bißchen mehr Death (schneller, böser Gesang ... der aber trotzdem verständlich ist), im Refrain dann aber wieder clear.
Jetzt jeden Song zu beschreiben spare ich mir. Es geht (fast) alles in die selbe Richtung. Herausheben möchte ich aber noch die (obligatorische) Quoten-Ballade ‘Born In Flames’, die schon ein bißchen ans Herz geht (Akustik-Gitarre, gefühlvoller Gesang, tolle Melodie, in der Mitte des Songs Chor-Unterstützung, und ein schmalziger Text) und bei Konzerten bestimmt die Feuerzeuge raus geholt werden. Leider mit knapp 4 Minuten zu kurz. Da hätte am Schluss noch ein bißchen Bombast und ein Gitarrensolo folgen können. Und den Rausschmeißer ‘Of Pawns And Dragons’ möchte ich auch noch herausheben, da er zum Einen mit 7 1/2 Minuten der Long-Song der CD ist und, weil eher im Mid-Tempo-Bereich angesiedelt, auch eine andere Seite von Athorn zeigt, die ihnen ganz gut steht.
Insgesamt finde ich ‘Necropolis’ richtig gut. Natürlich kein Prog und meine prog-affinen Leser sollten vorher mal reinhören, wer auf härtere Sachen steht und auch vor ein paar Growls zwischendurch nicht zurückschreckt, kann bedenkenlos zugreifen.

Big Big Train - Folklore (VÖ:27.05.2016)
Big Big Train ... ich habe mich immer gefragt ‘ist das Prog oder kann das weg?’. Das war auch ein bißchen der Grund, warum ich seit 2004 mit ‘Gathering Speed’ keine weitere CD der Band mehr besprochen habe, obwohl ich mir einige gekauft hatte. Aber irgendwie ist mir nie was richtig Sinnvolles dazu eingefallen. Nachdem jetzt aber der neueste Output ‘Folklore’ auf allen Prog-Seiten hochgelobt wird, gibt es auch ein paar Worte von mir dazu. Und die werden richtig positiv.
Zuerst möchte ich mal Sänger David Longdon loben. Der singt sowas von nahe an Peter Gabriel, das gibt es gar nicht ... und ... wenn man z.B. das Titelstück ‘Folklore’ hört, hat er zusätzlich noch den Sprech-Gesang von Fish drauf, der ja in eine völlig andere Richtung geht. Außergewöhnlich würde ich sagen. Und wenn wir schon bei dem Song ‘Folklore’ sind ... geiles Stück Musik mit genialer Instrumentierung von Bläsern, Streichern, Gitarren-Solo, eingängigem Refrain, schönen Breaks. Also ... Prog !! Der nächste Song ‘London Plane’ ... könnte am Anfang echt ein Stück von einer Peter Gabriel - Scheibe sein, zwischendurch klingt es ein bißchen nach (ruhigen) Pendragon (vor allem bei den Parts mit dem mehrstimmigen Gesang). Ab der Mitte wird es etwas chaotischer (in Richtung Spock’s Beard), danach könnte es (auch wegen der Flöte) Jethro Tull sein um am Schluss wieder an die Anfangs-Passagen anzuknüpfen, Gitarren-Solo. Aus. Klingt nach Prog? Ja klar. Wenn nicht das was dann? Und dann auch noch über 10 Minuten lang. Dann ‘Along The Ridgeway’ ... wie Marillion in ihren schlechtesten Zeiten unter Hogarth (jeder weiß dass ich das nicht leiden kann). ‘Salisbury Giant’ finde ich dann mal wieder richtig cool. Streicher mit richtig Groove, Oldschool-Keyboard (wie Banks in den 70ern). Dann wieder Bläser-Einsatz (klingt eher nach Trauermusik am Grab) bei ‘The Transit Of Venus Across The Sun’, nervige Streicheinheiten, zum Glück nach 1 1/2 Minuten Gesang der entschädigt. Und der Song wird auch besser. ‘Wassail’ - oh Gott - wieder Gabriel at it’s best. Unglaublich. Richtig fetzig wird es dann bei ‘Winkie’, also zumindest zwischendurch. Auch wieder eher Richtung Spock’s Beard. 8 1/2 tolle Minuten. Danach gute 12 1/2 Minuten ‘Booklands’. Da ist mal wieder alles dabei. Mostly Autumn, Hogarth’s Marillion, natürlich Peter Gabriel, ein bißchen ELP, Jadis, einfach alles. Prog? Klar ist das Prog. Was sonst? Am Schluss dann noch ‘Telling The Bees’, und das macht dem Titel der CD alle Ehre. Eher Folk mit Streicher, Akkordeon, Schunkel-Musik die gute Laune macht. Und schon sind 68 Minuten vorbei.
Ist die CD nun gut oder schlecht? Ist es Prog oder kann das weg? Also ... ich finde die Scheibe hat gewisse Längen, weil doch vieles ziemlich ‘gleich’ klingt. Aber gleich gut. Sie ist mir vielleicht ein bißchen zu ruhig ... etwas mehr Härte oder so hätte ich schon vertragen können. Ist es Prog? Na wenn man meine Vergleiche so liest ist es ganz klar Prog ... okay ... Prog light. Aber kann man sich durchaus kaufen das Teil.

Blind Ego - Liquid (VÖ:21.10.2016)
RPWL-Gitarrist Kalle Wallner haut mit ‘Liquid’ nach ewigen 7 Jahren endlich die dritte Scheibe seines Soloprojekts ‘Blind Ego’ raus. Bereits die Vorgänger ‘Mirror’ (2007) und ‘Numb’ (2009) habe ich ja auf meiner Seite besprochen. ‘Mirror’ ging eher in die RPWL-Richtung, ‘Numb’ war eindeutig rockiger. Auf den 2 Vorgänger-Werken hatte sich Kalle Wallner bei den Gast-Musikern vor allem bei der Band ‘Arena’ bedient. Paul Wrightson, John Mitchell, Clive Nolan, John Jowitt um mal ein paar Namen zu nennen. Dies ist jetzt bei ‘Liquid’ ganz anders. Hier hat er unter anderem in die ‘Gentle Art Of Music’ - Schublade gegriffen und so interessante Leute wie Arno Menses (Vocals - von Subsignal), Aaron Brooks (Vocals - von Simeon Soul Charger), Ralf Schwager (Bass - auch Subsignal) und Heiko Jung (Bass - Panzerballett) heraus geholt. Neben diese Jungs sind auch noch Erik Ez Blomkvist (Vocals - Seven Thorns), Sebastian Harnack (Bass - Sylvan) und Michael Schwager (Drums - war mal bei Dreamscape) am Start. Den Mix hat wieder RPWL-Kollege Yogi Lang übernommen.

‘Liquid’ ist mal wieder eine interessante Mischung aus Härte, Melodie, Gefühl, viel Gitarre und richtig guten Songs geworden. Der Opener ‘A Place In The Sun’, gesungen von Erik Ez Blomkvist (den ich bisher noch gar nicht kannte), klingt irgendwie ein bißchen nach ‘Evergrey’. Das liegt zum Einen natürlich am Song selbst (der Song-Aufbau erinnert total an die Band) aber auch an der Stimmlage von Erik Ez Blomkvist, die der von Tom S. Englund vor allem bei den Strophen (und nicht so sehr beim Refrain) zum Verwechseln ähnlich ist. Weiter geht’s mit ‘Blackened’, einem Song der Arno Menses wie auf den Leib komponiert wurde. Das könnte zu 100% von Subsignal sein. Er hat aber auch ein markantes Stimmchen. Dann darf wieder Blomkvist ran. ‘What If’ beginnt eher ruhig (und er klingt wieder nach Englund), wird nach ner guten Minute aber richtig bombastisch und rockig. Schöner Gitarrenlauf mit fetter Rhythmus-Sektion. Der Song würde jeder Melodic-Rock-Band gut zu Gesicht stehen. Weltklasse! Jetzt wieder Menses-Zeit mit ‘Not Going Away’. Nicht wirklich Subsignal sondern richtig fett rockig, aber auch das kann der gute Arno ... wobei zwischendurch doch ein bißchen seine Stamm-Band durch kommt (vor allem beim ‘typischen’ mehrstimmigen Gesang). Und zwischendurch ist er endlich mal da ... der längere Gitarren-Part. ‘Never Escape The Storm’ beginnt wie die Quotenballade (wunderschöne akustische Gitarre, nach ner guten Minute gibt es aber den Wachmacher. Gitarrengewimmer, Bombast, Gänsehaut. Blomkvist. Über 8 Minuten nur geil ... für mich eines der absoluten Highlights auf der Scheibe. Da ist alles dabei. Tolle Instrumental-Parts (RPWL lässt grüßen), hervorragender Gesang, Tempowechsel, geilstes Gitarrensolo ever, Prog-Gänsehaut pur. Dann folgt der letzte Song mit Arno Menses mit ‘Tears And Laughter). Auch wieder eher rockig aber die Gesangslinien eindeutig auf ihn zugeschnitten. Schöne Mischung aus fetter Gitarre und tollem Gesang mit genialem Gitarrensolo ziemlich am Schluss. Danach hat Erik Blomkvist seinen letzten Auftritt. Und bei ‘Hear My Voice Out There’ gibt er nochmal alles. Fetter Rock-Song. Beim vorletzten Song ‘Quiet Anger’ darf sich dann die ‘Band’ austoben. 6 1/2 Minuten Instrumental und das klingt vielleicht noch am ehesten nach Kalle’s Stamm-Band RPWL ... naja ... nur manchmal. Auch hier gibt es mehr Härte, aber wenn die Gitarre wimmert hört man’s doch raus. ‘Liquid’ endet dann mit ‘Speak The Truth’. Hier darf dann Aaron Brooks von Simeon Soul Charger (=> muss man übrigens mal gehört haben, Reviews gibt es ebenfalls auf meiner Seite) ans Mikro. Und das klingt gleich irgendwie ganz anders. Auch ne tolle Stimme, aber weder mit Arno noch mit Erik zu vergleichen. Vielleicht ist das die obligatorische Quoten-Ballade (weil eher getragenes Tempo). Und Kalle zeigt nochmal, was er alles mit seiner Gitarre kann. Ganz toller Song zum Abschluss.
Fazit: Auch mit ‘Liquid’ hat es Kalle Wallner geschafft, Musik weit weg von seiner Stamm-Band zu machen. Es ist einfach mehr Härte drin. Und die 3 Sänger waren eine hervorragende Wahl. Unterschiedlicher geht es kaum aber jeder Sänger drückt den Songs seinen eigenen Stempel auf. Wobei mich vor allem Erik Ez Blomkvist überzeugt hat (weil ich ihn noch gar nicht kannte). Muss man haben!

Boscher, Xavier - Pentagramme (VÖ:23.10.2016)
Den Süd-Franzosen und Gitarristen Xavier Boscher kannte ich bis jetzt nur aus seiner Zeit mit der Band ‘Nebuleyes’, mit der er zusammen mit dem zweiten Gitarristen Benjamin Masson zwei hervorragende Prog-Alben herausgebracht hat (siehe meine Reviews auf meiner Seite). Danach hatte ich eigentlich nicht mehr viel von Xavier (außer ab und zu eine E-Mail) gehört. Um so überraschender kam für mich dann die Nachricht von ihm, dass er mit ‘Pentagramme’ eine neue CD veröffentlichen wird. Ich war natürlich sehr gespannt darauf, wie sich Xavier Boscher in all den Jahren musikalisch entwickelt hatte. Und ich muss sagen, dass ich auf der einen Seite ein bißchen überrascht bin, dass er von ‘Nebuleyes’ mittlerweile weit weg ist und ‘Pentagramme’ nur mit zwei zugedrückten Augen als Prog-Rock durchgehen würde, auf der anderen Seite aber auch absolut begeistert bin, was für ein Händchen für wundervolle Melodien der Mann mittlerweile hat. Und ich möchte auch gleich einschränken, dass die Aussage wegen dem Prog-Rock nur auf den ersten Teil der CD zutrifft. Die letzten zwei Songs sind jeweils über 8 Minunten mitnichten kein Prog.
Xavier Boscher ist wieder bei französischen Texten gelandet (die letzte Nebuleyes-CD wurde ja von einer Operetten-Tante in englisch eingesungen), was mir persönlich sehr gut gefällt. Der Opener ‘Le corps des femmes’ erinnert mich vom Gesang her ein bißchen an die Band ‘Indochine’ (die ich im Übrigen richtig gut finde). Und auch die Melodie-Linie geht etwas in die Richtung. Cooler Song und Xavier hat an der Gitarre nichts verlernt. ‘Métronome céleste’ beginnt eher ruhig mit Piano und akustischer Gitarre. Richtig auffällig ist aber, dass Xavier eine ganz tolle Stimme hat. Und der Song ist zum wegträumen ... auch das kurze E-Gitarren-Solo passt hervorragend. Rockiger wird es dann bei ‘La lune rouge’, danach das Titelstück (wieder eher getragen) und auch das folgende ‘Volupté’ ist eher sphärisch angehaucht.
Hat man nun die erste Hälfte hinter sich, wird es eindeutig proggiger. ‘Géométrie intime’ mit tollem Tempo-Wechsel, geiler Gitarre und kleinen akustischen Parts, ‘Quinacridone’ mit fetter Gitarre am Anfang, dann etwas frickelig, bombastisch und rein instrumental.
Danach folgen mit den zwei Long-Tracks die eigentlichen Highlights von ‘Pentagramme’. Zuerst ‘Les voyageurs du temps’, auf dem sein alter Mitstreiter Benjamin Masson ein fettes Gitarren-Solo beitragen darf (insgesamt ein frickeliges Prog-Gewitter) und dann noch ‘Le sexe et les roses’, ebenfalls proggig ohne Ende.
Insgesamt ist ‘Pentagramme’ eine hochinteressante Scheibe geworden, die sowohl den Prog-Freund als auch eher die Liebhaber ‘einfacherer’ Musik begeistern könnte. Die Scheibe gibt es im Moment nur als Download auf der Bandcamp-Homepage von Xavier Boscher. Dort über den ‘Merch-Button’ gibt es auch noch einen sehr interessanten Artikel, nämlich einen Holz-USB-Stick mit allen 9 Solo-Scheiben (einschließlich ‘Pentagramme’) plus einer EP für schlappe 15 Euro. Unbedingt reinhören!

Bovio, Marcela - Unprecedented (VÖ:23.09.2016)
Die in Holland lebende Mexikanerin Marcela Bovio dürfte den meisten Proggies bekannt sein als Sängerin von ‘Stream Of Passion’, einem ehemaligen Projekt von Ayreon Mastermind Arjen Lucassen und diversen Gast-Auftritten von Lucassens Projekten wie ‘The Gentle Storm’ usw. Stream Of Passion ist für Marcela seit Neuestem Geschichte (schade eigentlich) und sie widmet sich eigenen / neuen Projekten. Und als erstes hat sie sich (wahrscheinlich) einen Traum erfüllt. Über eine Crowdfunding-Kampagne wurde ihre erste Solo-CD finanziert, die jetzt mit ‘Unprecedented’ fertig gestellt wurde. Und es ist für mich eine kleine Überraschung. Denn mitnichten wurde jetzt im Stile von ‘Stream Of Passion’ weiter gemacht, also Symphonic Metal mit weiblichem Gesang, sondern die CD wurde mit einem Streicherquartett aufgenommen (‘The Dudok Quartet aus Amsterdam mit 2 Violinen, 1 Viola und 1 Cello). Alle Songs wurden von Marcelo selbst geschrieben und getextet und sind bis auf den Opener ‘Hay Amores’, der in ihrer Muttersprache gesungen wird, in englisch.
Es ist am Anfang schon etwas gewöhnungsbedürftig, sich als Proggie auf so eine minimalistische und ‘klassische’ Instrumentierung einzulassen. Aber entgegen meiner Befürchtungen wird die CD zu keiner Zeit langweilig, was natürlich auch ein bißchen an der herausragenden Stimme von Marcela Bovio liegt und an ihrem Händchen für tolle Melodien und Refrains.
Eine schöne CD für regnerische Herbstabende mit einem Gläschen guten Roten, die auf der Homepage von Marcela bestellt werden kann. Unbedingt antesten. Anders aber schön.

Bush, Kate - Before The Dawn (VÖ:02.12.2016)
Nach über 30 Jahren Bühnenabstinenz hat die gute Käthe insgesamt 22 (!!) Konzerte im legendären Hammersmith Odeon gespielt, die laut Presse alle innerhalb von 15 Minuten ausverkauft waren. Nun gibt es zu diesen Konzerten eine 3-fach-CD, die in 3 Acts eingeteilt ist. Pro CD also ein Act. Act 1 ist mit knapp 40 Minuten der kürzeste Teil und beinhaltet insgesamt 7 Songs von ‘Hounds Of Love’, ‘The Sensual World’, ‘The Red Shoes’ sowie ‘Areial’, darunter so Highlights ihres Schaffens wie ‘Hounds Of Love’, ‘Runnig Up That Hill’ oder ‘King Of The Mountain’. Nicht viel länger ist Act 2, das mit einem Monolog namens ‘The Astronomer’s Call beginnt’. Danach folgt die komplette ‘The Ninth Wave’ - Suite von ‘Hounds Of Love. Act 3, so um die 70 Minuten rum, verewigt die ‘Sky Of Honey’ - Suite (CD 2 von Aerial), wobei zwischendrin ein Song namens ‘Tawny Moon’ verpackt wurde, den Kates Sohn geschrieben hat und hier auch singt. Zum Schluss gibt es dann noch ‘Among Angels’ (von 50 Words For Snow) sowie als krönender Abschluss noch ‘Cloudbusting’. Insgesamt eine tolle Song-Auswahl, wobei Kate Bush-Fans jetzt bestimmt schon festgestellt haben, dass ihr Über-Song (mit dem sie bekannt wurde), also ‘Wuthering Heights’ leider nicht aufgeführt wurde, was ich persönlich sehr schade finde, denn mit diesem Song bin ich auf Kate Bush in meiner Jugend aufmerksam geworden.
Von den beteiligten Musikern möchte ich vor allem Omar Hakim (Drums ... Sting / Bowie / Dire Straits), John Giblin (Bass ... Brand X / Peter Gabriel / Simple Minds) und vor allem David Rhodes (Gitarre ... vor allem durch seine Zusammenarbeit auf vielen Peter Gabriel - CDs bekannt) nennen. Aber der Rest ist auch nicht schlecht, wenn mir auch völlig unbekannt.
Soundtechnisch klingt das Album ziemlich oldschool aber für eine Live-Aufnahme nicht schlecht, wobei das Publikum teilweise recht derb in den Hintergrund gemischt wurde.
Meckern kann ich nur über die Verpackung. Die CDs sind so übel fest in dem Papp-Scheiß drin, das mir beim rausdrücken von CD2 gleich mal ein Riss in die CD gekommen ist. Hab sie dann gleich auf MP3 gesichert, denn bei jedem weiteren rausnehmen wird das Teil größer und irgendwann ist die CD Schrott. Trotzdem kann ich hier natürlich eine absolute Kaufempfehlung abgeben, da die gute Käthe auch im hohen Alter :-) noch richtig gut bei Stimme ist. Okay, die absoluten Höhen bekommt sie nicht mehr hin. Aber trotzdem noch glasklar.

Delain - Moonbathers (VÖ:26.08.2016)
Zehn Jahre Delain ... und neun Jahre davon völlig an mir vorbei gegangen. Wie in meiner Review zur Vorgänger-CD ‘The Human Contradiction’ schon geschrieben, bin ich auf Delain erst über das Projekt ‘Phantasma’ gekommen, bei dem Delain-Sängerin Charlotte Wessels zusammen mit Serenity-Shouter Georg Neuhauser was ganz Großes abgeliefert hat. Daher habe ich mich auch tierisch über die neueste ‘komplette’ Studio-CD (es gab zwischen ‘The Human Contradiction’ und jetzt ‘Moonbathers’ noch eine EP namens ‘Lunar Prelude’) gefreut. Und die Freude ist nicht umsonst. ‘Moonbathers’ beginnt richtig fett mit ‘Hands Of Gold’, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob am Beginn des Songs nicht ein bißchen was abgeschnitten wurde. Komischer Einstieg. Aber ... wie heißt es so schön ... ‘Female Fronted Symphonic Metal’ at it’s best. Bombastisch, schnell, fette Gitarre (auf der ganzen CD irgendwie aber zu sehr im Vordergrund in meinen Ohren), toller Refrain. Und ... man mag über die Frau denken was man will ... ein toller Gast-Auftritt von Alissa White-Gluz (Arch Enemy), die mit ihrem richtig fiesen Grunz-Gesang noch das i-Tüpfelchen aufsetzt. Richtig cool gemacht und ist ein super Gegensatz zu der eher ‘sanften’ Stimme von Charlotte Wessels. Auch das Folgestück ‘The Glory And The Scum’ ist, auch wenn es tempomäßig einen Tacken gemäßigter zugeht, fetter Symphonic Metal.
Was die Musik von Delain eigentlich ausmacht ist, dass sie sich nicht nur auf einen Stil beschränken, sondern auch richtig Abwechslung rein bringen. Das war auf der Vorgänger-CD so (mit dem Song Stardust usw.) und ist auch auf ‘Moonbathers’ nicht anders. ‘Suckerpunch’, schon auf der EP ‘Lunar Prelude’ vorgestellt, driftet fast ein bisschen ins poppige ab, ist aber live bestimmt der Burner. Auch ‘The Hurricane’ ist eher im Mid-Tempo angesiedelt, hat aber ne tolle Melodie und ein paar gute Steigerungen. Es folgt die Quoten-Ballade mit ‘Chrysalis - The Last Breath’ wunderschön und gefühlvoll gesungen und ohne Gitarren. Aber keine Chance zum Einschlafen ... ‘Fire With Fire’ weckt sofort wieder auf. Ein richtiger Rocker und live sicher auch der Hammer. Zu ‘Pendulum’ fällt mir jetzt nichts besonderes ein, auch ein hübscher Song. Mit dem folgenden ‘Danse Macabre’ kann ich jetzt irgendwie am wenigsten anfangen. Nett, teilweise komisch und einfach nix besonderes. Obwohl ... wenn die merkwürdigen Zwischenteile nicht wären wär der Song doch echt fett. Die nächste Merkwürdigkeit folgt mit ‘Scandal’, einem Queen-Cover (von ‘The Miracle’). Keine Ahnung, warum sie sich gerade diesen Song ausgesucht haben. Weder richtig bekannt noch richtig gut und ... sorry ... irgendwie klingt das fast wie Abba, nur härter :-). Okay, ist vielleicht etwas böse ausgedrückt. ‘Turn The Lights Out’ entschädigt dann aber für alles. Wieder ein richtig guter Song. ‘Moonbathers’ endet dann mit ‘The Monarch’ ... hmmm ... klingt am Anfang wie eine Film-Musik zu Winnetou, steigert sich dann ein bißchen um nach fast 2 Minuten doch noch was richtig rockiges, bombastisches zu werden. Aber nur kurz, dann ist es wieder Winnetou, da hilft auch der einsetzende Gesang von Charlotte Wessels nicht mehr. Gut ... nette Idee. Werden sich wohl was dabei gedacht haben.
Fazit: Geile CD mit nur wenigen Durchhängern, die man unbedingt haben muss, wenn man auf Symphonic Metal steht.
Delain wäre natürlich nicht Delain, wenn es die Scheibe nicht auch aus limitierte Doppel-CD geben würde. Und auf der Bonus-CD sind dann 4 Live-Songs (Suckerpunch, Turn The Lights Out, The Glory And The Scum und Don’t Let Go) verewigt, die ziemlich genial von Christian Moos in seinen Spacelab-Studios abgemischt wurden sowie noch 2 Orchester-Versionen (von The Glory And The Scum und Hand Of Gold) die kein Mensch braucht.

DGM - The Passage (VÖ:26.08.2016)
Im Jahr 2003 habe ich zum letzten Mal was von der italienischen Prog-Metal-Band ‘DGM’ in den Fingern gehabt (und auch besprochen ... siehe meine Review zu ‘Hidden Place’. Damals hatte ich ‘DGM’ mit Symphony X verglichen. Danach ging die Band völlig an mir vorbei. Erst jetzt habe ich, Social Media sei Dank, erfahren, dass die Band mal wieder eine CD veröffentlicht hat. Habe ich mir natürlich gleich zugelegt und bin begeistert. Aufgefallen ist mir auf jeden Fall, dass ein neuer Sänger am Start ist (Mark bzw. Marco Basile anstatt Titta Tani), aber keine Ahnung wann der Mann ersetzt wurde. Wobei ... wenn ich so die Musikerliste vergleiche, ist eigentlich nur noch Drummer Fabio Costantino und Bassist Andrea Arcangeli mit dabei. Alle anderen sind neu. Egal. Es geht schon mal recht fett los mit dem 2-Teiler ‘The Secret’, insgesamt fast 16 Minuten lang. Und was soll ich sagen ... es klingt immer noch nach Symphony X. Aber sowas von. Okay, auch Marco Basile klingt stimmlich anders als Sir Russel Allen, aber wer kann das schon. Er hat aber eine richtig gute und auch umfangreiche Stimme. Selten so einen guten Prog-Metal-Sänger gehört und passt hervorragend zur Band. Keyboard und Gitarre darf sich auch austoben. Und ein Händchen für eingängige Refrains haben DGM ebenfalls. Ziemlich geil das Ganze. Auch das folgende ‘Animal’ schlägt in die selbe Kerbe. Erste Überraschung dann bei ‘Ghosts Of Insanity’ ... wer singt denn da? Klingt voll nach Evergrey. Und tatsächlich, Tom Englund hat die Guest-Vocals übernommen. Und er klingt einfach genial. Könnte echt ein Evergrey-Song sein. Vielleicht nicht ganz so düster. Auch die folgenden 4 Songs (plus das kurze, gefühlvolle ‘Disguise’ mit Piano-Begleitung und Gänsehautgarantie zwischendurch) ... alle auf hohem Niveau. Der vorletzte Song ‘Dogma’ hält dann auch noch eine kleine Überraschung parat ... Michael Romeo darf ein bißchen auf seiner Gitarre wimmern (noch ein Beispiel für die Nähe von DGM zu Symphony X) und ist damit vielleicht auch der schnellste Song auf der CD. Leider ist dann mit ‘In Sorrow’ und der noch fehlenden Quoten-Ballade schon Schluss.
Ich würde mal sagen eine knappe Stunde genialer Prog-Metal und Freunde der Musikrichtung müssen sich ‘The Passage’ unbedingt zulegen.

Epica - The Holographic Principle (VÖ:30.09.2016)
Mit den Holländern ‘Epica’ konnte ich bis jetzt noch nicht so viel anfangen und habe bis jetzt glaube ich auch nur eine (ältere) CD von denen im Regal stehen. Nachdem aber die Band um Sängerin Simone Simons mit ‘The Holographic Principle’ von null auf Platz 9 in den Deutschen Charts eingestiegen ist und somit wohl zu den Genre-Größen im ‘Female fronted Symphonic Metal’ gehören, habe ich es mal wieder gewagt, mir eine Scheibe zuzulegen.
Die CD beginnt ziemlich episch mit einem 2 1/2 - minütigen instrumentalen Intro namens ‘Eidola’, das schon mal recht gut klingt. Danach kommt eben Symphonic Metal. Schnelle Gitarren, hübscher Gesang von Simone, ein paar (nicht so böse) Growls. Naja. Irgendwie alles nett gemacht, aber vom Hocker haut mich das nicht. Vor allem klingen die Songs irgendwie alle ähnlich. Die Quoten-Ballade (Once Upon A Nightmare) sticht mit Streicher-Einsatz ein bißchen heraus und auch der letzte Song ‘The Holographic Principle - A Profound Understanding Of Reality) ist etwas abwechslungsreicher ... mit über 11 1/2 Minuten aber auch erwartbar.
Ich habe mir natürlich gleich die limitierte Doppel-CD gegönnt. Und die Bonus-Scheibe namens ‘The Acoustic Principle’ ist echt witzig. Folkig angehaucht mit entsprechender (akustischer) Instrumentierung. Aber leider nur 5 Songs.
Wenn ich jetzt einen kleinen Tipp abgeben darf: Ziemlich zeitgleich haben ja auch die andern Holländer des selben Genres, nämlich Delain’, mit ‘Moonbathers’ eine neue CD raus gebracht. Und die ist um Längen besser.

Zusatz:
Kurz nach der Veröffentlichung meiner Review über die neue Epica hat sich Andreas Thul bei mir gemeldet. Er ist genau der gegenteiligen Meinung und findet die neue Epica grandios und die neue Delain bezeichnet er als ‘Enttäuschung des Jahres’. So unterschiedlich können Geschmäcker sein. Seine Review über die neue Epica könnt Ihr auf seinem Blog finden.

Evergrey - The Storm Within (VÖ:09.07.2016)
Die Band ‘Evergrey’ um Gitarrist und Sänger Tom S. Englund verfolge ich jetzt schon seit Jahren (und habe auch diverse Reviews auf meiner Seite). Stillstand war noch nie die Sache von Evergrey. Sei es die Wandlung von einer Prog-Metal-Band zu eher düsterem Heavy Metal als auch diverse Wechsel der Plattenfirmen. Von Inside Out über Steamhammer (SPV) jetzt zu AFM Records. Und ich denke da sind sie musikalisch hervorragend aufgehoben.
Ich hatte das Glück, Evergrey neulich auf der Tour mit Delain zu erleben. Nachdem mein Musikgeschmack ja eher breit gefächert ist, hatte ich mit dieser Mischung auch keine Probleme. Leider war der Sound bei Evergrey nicht wirklich gut, aber trotzdem kam rüber, wie genial die Band ist und wie viel Spaß die Jungs an ihrer Arbeit haben.
‘The Storm Within’ ist in meinen Augen ein bißchen melodischer und eingängiger geworden im Vergleich zu den Vorgängern. Der Opener ‘Distance’ mit tollem Refrain und nettem Chor am Schluss. Das folgende ‘Passing Through’ geprägt von der markanten und dominanten Stimme Tom S. Englunds (und auch hier wieder eine recht eingängige Melodie und tolle Gitarren-Parts). ‘Someday’ geht dann eher in die ‘alte’ Richtung (getragener Song mit fett Bass). ‘Astray’ ähnlich aber mit mehr Geschwindigkeit. Es folgt die Quoten-Ballade mit ‘The Impossible’ (Gänsehaut ... der Gesang ist einfach herausragend). Danach ein Wachmacher (My Allied Ocean). Anschließend die erste Überraschung. ‘In Orbit’ ist ein Duett mit Nightwish-Sirene Floor Jansen und eines der absoluten Highlights der CD. Sensationell, wie diese zwei (völlig unterschiedlichen) Stimmen zusammenpassen. Der Song wurde auf dem o.g. Konzert auch live gespielt ... allerdings ohne Floor Jansen, wofür sich Tom S. Englund ausdrücklich entschuldigt hat und gemeint hat, er tritt bei den Frauen-Parts in anderen Klamotten auf. Der Junge hat echt auch noch Humor. Leider hat er’s nicht gemacht. Der nächste Song ‘The Lonely Monarch’ erinnert auch eher wieder an die alten Zeiten. Es folgt das nächste Duett, dieses Mal mit Ehefrau Carina Englund, die ja schon öfter mal einen kleinen Part bei einzelnen Songs übernommen hat. Ich kann nur sagen das ist eine wunderschöne Ballade mit Streichern im Hintergrund und vollem Bombast ab der Mitte. Gänsehaut ist garantiert. Ach ja ... der Song heißt ‘The Paradox Of The Flame’. Dann gibt es das volle Gitarren-Brett mit ‘Disconnect’, mit exakt 7 Minuten der längste Song auf der CD und einem Gitarren-Solo in der Mitte zum hinknien, einem interessante Tempowechsel zwischendurch und wieder Floor Jansen als Background-Sirene. Vielleicht das proggigste Stück auf ‘The Storm Within’ und richtig genial. Zum Abschluss gibt es dann noch das Titelstück mit allen Trademarks die Evergrey ausmachen. Gemäßigtes Tempo, Bombast, eingängiger Refrain, ruhige Parts zwischendurch und natürlich genialer Gesang. Tolles Ende einer meiner Meinung nach sensationell guten CD ... vielleicht das Beste was die Schweden bis jetzt veröffentlicht haben. Von vorne bis hinten ohne einen Durchhänger. Muss man haben.
Wer nen Euro mehr ausgibt, bekommt die limitierte Version mit einem Bonus-Track namens ‘Paranoid’. Dazu muss ich jetzt nichts mehr sagen, oder? Nette Cover-Version ganz witzig im Evergrey-Stil gemacht und nicht einfach nachgespielt. Cool.

Firewind - Immortals (VÖ:25.01.2017)
Mit ‘Immortals’ legen die griechische Power-Metal-Band ‘Firewind’ ihr erstes Konzeptalbum vor. Textlich geht es um die Schlachten bei den Thermopylen und bei Salamis im Jahr 480 vor Christus, also dem Krieg zwischen den Griechen und Persern bei der zweiten persischen Invasion in Griechenland.
Jetzt mal ganz im Ernst ... wer bitte hört bei einem Power-Metal-Album auf die Texte? Also ich nicht. Daher kann ich über die historische Umsetzung der Story nichts sagen. Ist auch egal, denn vorrangig geht es (mir) eher um die Musik. Und da gibt es bei Firewind 2 Neuigkeiten. Erstens wurde Sänger Apollo durch Henning Basse (Ex Metalium und Sons Of Season) ersetzt, was mir am Anfang etwas Schwierigkeiten bereitet hat. Apollo hat für mich den Sound von Firewind (neben den Gitarrenläufen von Gus G.) geprägt und jetzt klingt es doch etwas ‘neu’. Und zweitens gab es für ‘Immortals’ eine Zusammenarbeit mit Dennis Ward (Pink Cream 69 usw.) bei Text, Musik und Produktion.
Ich finde es auf jeden Fall super, dass Gus G. (der eigentlich ja Kostas Karamitroudis heißt) neben seinem Engagement bei Ozzy und diversen Solo-Veröffentlichungen die Zeit für eine Nachfolger von ‘Few Against Many’ aus dem Jahr 2012 gefunden hat. Und es ist ein richtig fettes Album geworden. Der Opener ‘Hands Of Time’ haut schon sowas von rein. Hart, schnell, göttlicher Refrain, schwindelerregende Gitarre, tolles Keyboard. Nur wie schon geschrieben ... an die neue Stimme muss man sich erst mal gewöhnen. Und es geht in bester Firewind-Manier weiter. Kracher über Kracher. Auch mal ein bißchen epischer, bombastischer am Anfang (‘Ode To Leonidas’) und einmal auch richtig schmalzig (‘Lady Of 1000 Sorrows’). Richtig geile Sache. Und gebt 1 Euro mehr aus für die Limitierte Version mit dem Bonus-Track (‘Vision Of Tomorrow’). Der ist auch richtig gut.
Metal-Freunde können bedenkenlos zugreifen.

In Flames - Battles (VÖ:11.11.2016)
Ja ich weiß ... meine Seite hier heißt Prog-Rock.Info und In Flames sind vom Prog vielleicht so weit entfernt wie wir vom Mond. Aber hey ... braucht man nicht manchmal was zum Aggressionen abbauen, zum Durchpusten, zum Matte schütteln? Ich schon. Und da greife ich gerne mal auf die Schweden zurück. Und bei In Flames bekommt man mit jeder CD auch was Neues zu hören. Viele Fans sind von ‘Battles’ enttäuscht, weil es ziemlich weichgespülter Melodic Death Metal geworden ist ... für In Flames - Verhältnisse. Typisch ist immer noch der fiese Gesang von Anders Fridén, der allerdings viel ‘clear’ eingesungen hat. Außerdem gibt es Kinderchöre, manchmal fast poppige Melodien, aber immer genügend Härte. Manchmal könnte man es fast radiotauglich nennen (wenn es eher nach Linkin Park oder Muse klingt). Auf jeden Fall ist (fast) jeder Song richtig eingängig ohne die typischen Trademarks von In Flames zu verlieren. Für reine Prog-Ohren ist die Musik sicher immer noch unhörbar aber wer einen bißchen breitgefächerteren Geschmack hat, sollte ‘Battles’ auf jeden Fall mal antesten. Im härteren Metal-Bereich sicher das Highlight aus 2016.

Lanfear - The Code Inherited (VÖ:01.07.2016)
Meine Lieblings-Schwaben-Metaller aus der Nähe von Heilbronn haben auch mal wieder zugeschlagen. Und das schon wieder voll auf die Zwölf. Und jedes Mal grüßt das Murmeltier in mir und fragt sich, warum ‘Lanfear’ immer noch nicht den Bekanntheitsgrad erreicht haben den sie verdienen. Aber das schreibe ich glaub schon seit der ersten Veröffentlichung. Ich verstehe es einfach nicht. Klar, richtig eingängig ist die Musik von ‘Lanfear’ bei einmaligem Hören sicher nicht ... die Songs brauchen Zeit, mehrfache Durchläufe und Geduld. Aber diese Geduld wird am Ende belohnt. Wobei ... wenn ich mir ‘The Code Inherited’ anhöre bin ich der Meinung, dass die Musik ein bißchen ‘einfacher’, eingängiger, leichter verdaulich ist. Schon die 2 ersten Songs ‘The Delusionist’ und ‘The Opaque Hourglass’ sind Metal-Kracher mit Thrash-Anleihen ohne viele Ecken und Kanten. Vor allem ‘The Delusionist’ könnte am Anfang echt von Metallica sein. Fettes Gitarrenbrett von Markus Ulrich, überragender Gesang von Nuno Miguel de Barros Fernandes (was für ein Name), ordentliche Geschwindigkeit, Schlagzeuger Jürgen Schrank prügelt sich einen ab, Bassist Kai Schindelar macht einen gute Job. Nur Keyboarder Richie Seibel kommt (für meine ‘verwöhnten Prog-Ohren’) leider ein bißchen zu kurz. Das folgende ‘Evidence Based Ignorance’ ist etwas ruhiger bzw. getragener mit ein paar netten Tempowechseln (und mehr Keyboards !!). Danach das ‘Herzstück’ der Scheibe mit dem Titeltrack. Fast 11 Minuten lang und einfach nur geil. Darf ich das Prog-Metal nennen (Erklärung später)? Ich mach’s einfach, da es echt ein bißchen nach Fates Warning klingt (auch wegen dem mehrstimmigen Gesang beim Refrain und der dazu schrammelnden Gitarre). Und wegen dem Zwischenteil. Und dem folgenden Gitarren-Solo. Und wegen den Keyboard-Läufen. Und und und. Hammer-Teil. Vielleicht der beste Song den Lanfear jemals aufgenommen haben. Auch das folgende ‘Self Assembled’ klingt echt ein bißchen nach Fates Warning gepaart mit Communic (ich hoffe die Band kennt noch jemand). ‘Converging Saints’ ist dann wieder typisch Lanfear ‘von früher (‘X To The Power Of Ten’ lässt grüßen) ... sehr sehr gut. Und dann noch die obligatorische Quoten-Ballade mit ‘Remain Undone’, wobei der Song nicht wirklich ne Ballade ist. Nur für Lanfear einfach getragener, melodischer, langsamer als der Rest. Vielleicht der eingängigste Song des Albums. Wenn nicht ganz am Schluss noch ‘Summer Of ‘89’ kommen würde. Nein, hat nix mit Bryan Adams zu tun (das war ‘69). Ein wirklich ‘lustiger’ Song der sowas von AOR ist. Und der Text dazu ... unglaublich witzig. Ich denke die Jungs hatten mit diesem Song ihren Spaß. Was man ganz am Schluss am gehässigen Gelache auch hören kann.
Nicht verschweigen möchte ich, dass die Scheibe wieder von Jan Vacik in seine Dreamsound-Studios abgemischt wurde. Das gibt wie immer einen amtlich fetten Sound.
Nun zu meiner Bemerkung ‘Erklärung später’: Ich habe in einem Interview mit Markus ‘Ulle’ Ulrich gelesen, dass er sich darüber aufregt, dass die Musik von Lanfer als Prog-Metal bezeichnet wird, da er doch eher Thrash-Metal als seinen Einfluss sieht. Dazu kann ich nur sagen: Hey Ulle, diese Seite hier heisst Prog-Rock.Info. Wenn ich jetzt schreibe Eure Musik sei Prog-Metal, dann kaufen es vielleicht meine Leser. Wenn ich schreibe das ist Trash-Metal dann kaufen sie vielleicht nicht :-). Also lebe damit ... vielleicht trage ich dann ein bißchen dazu bei dass Ihr bekannter werdet.
Nein Spaß ... ist doch Scheiß egal wie man die Musik nennt ... ich persönlich finde sie total genial und ich kann jedem nur empfehlen, sich das Teil zu holen. Und das am Besten über eine Bestellung auf der Lanfear-Homepage. Ist zwar etwas lästig (wegen Vorab-Überweisung und E-Mail an Richie Seibel) aber klappt hervorragend. Das Teil war ruck zuck bei mir im Briefkasten.

Marillion - F.E.A.R. (VÖ:23.09.2016)
Ich nehme es gleich mal vorweg: Dass ich das nochmal erleben darf. Eine neue Marillion-CD und ich finde sie nicht scheiße oder langweilig sondern richtig gut.
Jaja ... bitte verschont mich mit bösen Hass-Mails. Es ist einfach MEIN Geschmack den ich auf meiner Seite zum Ausdruck bringe und fast alle Marillion-Scheiben aus der Hogarth-Aera fand ich langweilig bis furchtbar (mit Ausnahmen ... z.B. ‘Brave’ oder einzelne Songs von anderen CDs). Daher bin ich jetzt umso überraschter, dass ich F.E.A.R. (übrigens die Abkürzung für Fuck Everyone And Run) von vorne bis hinten durchhören kann. Woran liegt’s?
1. Konzeptalbum mit 3 Long-Songs (El Dorado, The Leavers und The New Kings), unterteilt in mehrere Parts
2. Es klingt teilweise ein bißchen nach Pink Floyd (Part 2 von El Dorado hat Anleihen von ‘Animals’)
3. Rothery kann doch noch wimmernde Gitarren-Soli (ebenfalls z.B. Part 2 von El Dorado)
4. Hogarth singt nicht alles in Grund und Boden sondern die Jungs an den Instrumenten dürfen auch mal ohne
5. Tolle Melodie-Linien,
6. Eine leichte Depri-Stimmung wie bei ‘Brave’
7. Die 2 Filler-Songs zwischen den Long-Songs (mit über 6 und 7 Minuten) sind auch gut
8. Es ist kein so inspirationsloses Gedudel wie z.B. bei ‘Radiation’.
9. Sie haben sich teilweise neu erfunden (Fett: Part 1 von ‘The Leavers’)
Was ich nicht so gut finde:
1. Hogarth nuschelt das Wort ‘Fuck’ nur wie wenn er Angst hätte dass das böse ist
2. Fish hat eindeutig die besseren Texte geschrieben.
Aber hey ... für meine Verhältnisse war das jetzt eine super Marillion-Kritik. Somit müssten Fans der Band bei F.E A.R. ausflippen und diejenigen denen es genauso geht wie mir (und ich kenne einige Leute die eine ähnliche Meinung wie ich haben) können endlich auch mal wieder zugreifen.

Meier, Nicolas - Infinity (VÖ:14.10.2016)
Nicolas Meier, auf meiner Homepage schon vertreten mit der CD ‘Chasing Tales’, die er zusammen mit Pete Oxley eingespielt hat (siehe meine Review unter ‘Oxley, Pete / Meier, Nicolas beim Buchstaben ‘O’), hat sich für sein neuestes Werk ‘Infinity’ zwei hochklassige Musiker ins Boot geholt. Vinnie Colaiuta (Drums), der schon auf Massen von Studio-Outputs vieler völlig unterschiedlicher Künstler mitgewirkt hat (Zappa, Sting, André Heller, Gino Vannelli, Joni Mitchell, Olivia Newton-John, Billy Joel, Tori Amos, Al Stewart, Tony Banks, Joe Cocker um nur ein paar zu nennen) sowie Jimmy Haslip (Bass), der ebenfalls eine außergewöhnliche musikalische Vita vorweisen kann (Bruce Hornsby, Tommy Bolin, Allan Holdsworth, Chaka Khan, Al Jarreau, Donald Fagen, Michael Sembello, Joe Cocker ...). Nicolas Meier selbst ist aber auch kein unbeschriebenes Blatt, tourte er doch mit Jeff Beck, mit seiner Metal-Band ‘Seven7’ und auch mit seiner anderen Band ‘Nicolas Meier Group’. Unterstützt wird er auf ‘Infinity’ zusätzlich von 3 Violinisten (Richard Jones, Sally Jo und Lizzie Ball) sowie auf einem Stück noch durch Grogor Carle an der Gitarre.
Die Aufzählung der Musiker verrät schon, dass auch ‘Infinity’ eine rein instrumentale CD geworden ist, auf der nicht wirklich überraschend das äußerst virtuose Gitarrenspiel von Nicolas Meier - meist auf der akustischen Gitarre, leider viel zu selten auf der Elektrischen - im Vordergrund steht. Und dass als ‘Executive Producer’ kein Geringerer als Leonardo Pavkovic (vom Moonjune-Label New York) genannt ist, lässt erahnen, dass die Musik von Infinity in die jazzige Richtung geht. Aber was ich auch schon bei ‘Chasing Tales’ geschrieben habe, trifft auf ‘Infinity’ ebenfalls zu. Es ist höchstens Jazz light, also wirklich für alle Ohren hörbar. Die Songs sind teilweise etwas orientalisch angehaucht (wie z.B. der Opener ‘The Eye Of Horus’ oder auch ‘Yemin’, das auch auf Jeff Beck - Konzerten gespielt wurde), manche Songs gehen in die gechillte Bar-Jazz-Richtung (wie z.B. ‘Still Beautiful’), haben magische Momente, wenn Gitarre und Violine zusammen die Melodie spielen (z.B. ebenfalls das schon genannte ‘Yemin’), sind Jeff Beck gewidmet (‘Legend’ ... unglaublich wie schnell und präzise Nicolas Meier sein Instrument beherrscht, da sitzt wirklich jeder Ton perfekt), es wird fast klassisch (‘Rose On Water’), manchmal ein bißchen zu jazzig für mich (‘Flying Spirits’). Ein Hauch von Neal Schon’s ‘Late Nite’ kommt durch (für mich eine der CDs die ich auf eine einsame Insel nehmen würde) bei ‘Serene’ und ganz am Schluss gibt es sowas wie eine faustdicke Überraschung mit ‘JB Top (for Billy Gibbons)’. Und wer Billy Gibbons kennt, weiß jetzt schon in welche Richtung der Song geht. Er ist einer der Lang-Bärte von ZZ Top und der Song rockt unglaublich (mit endlich auch mal der E-Gitarre). Cooler Abschluss.
‘Infinity’ kann ich jedem Musikliebhaber nur ans Herz legen. Und Hobby-Gitarristen (wie ich) werden wahrscheinlich nach dem Hören der CD erst mal ihr Instrument nicht mehr anfassen vor lauter Frust. Mehr Infos über Nicolas Meier gibt es auf seiner Homepage. Dort kann die CD auch bestellt werden. Es gibt sie aber auch bei Amazon im Moment für unschlagbare 9,99 Euro.

Metallica - Hardwired ... To Self-Destruct (VÖ:18.11.2016)
Es ist wie immer. Metallica bringen nach gefühlten 100 Jahren ne neue Scheibe raus und die einen finden sie dann total beschissen und der Rest ist total begeistert. Ich gehöre auf jeden Fall zum Rest. Ich finde das Teil total genial.
Ich habe mir die 3-CD-Deluxe-Version gegönnt. CD 1 versöhnt auf jeden Fall alle ‘alten’ Metallica-Fans, die mit den letzten Scheiben nichts anfangen konnten. ‘Hardwired’, ‘Atlas, Rise!’, ‘Moth Into Flame’, ‘Dream No More’, ‘Halo On Fire’ ... das ist alles sowas von Metallica 80er ... zum Niederknien. Nur auf ‘Now That We’re Dead’ hätte man ein bißchen verzichten können. Passt irgendwie nicht zum Rest.
CD 2 ist eher durchwachsen. Teilweise ein bißchen langatmig, 2 mäßige Songs, 3 ganz gute Songs und mit dem Abschluss ‘Spit Out The Bone’ vielleicht einer der besten Stücke die Metallica jemals aufgenommen haben. Die reinste 7-Minuten-Thrash-Orgie.
So ... kommen wir nun zu CD 3, der Bonus-Scheibe. Zuerst ein ‘Lords Of Summer’, das auch schon vorab live angespielt wurde. Fetter Thrash-Hammer. Danach gibt es Pipi in die Augen. ‘Ronnie Rising Medley’ ... das wurde soweit ich weiß schon mal auf einer Dio-Tribute-CD veröffentlicht, war mich aber nicht bekannt. Hammer. Nur Hammer. ‘A Light In The Black’, ‘Tarot Woman’, ‘Stargazer’ (Gänsehaut), ‘Kill The King’. Leider kein ‘Starstruck’ Aber egal. 9 Minute Genialität. Danach ein ‘When A Blind Man Cries’ von Purple (geil ... vor allem das Gitarrensolo) und dann noch ein ‘Remember Tomorrow’ von Iron Maiden. Fett. Und danach noch 10 Live-Songs. Wirklich ein richtig fettes Paket mit einem für Metallica überragenden Sound. Nach dieser Veröffentlichung will ich nicht wieder 8 Jahre warten bis was Neues kommt. Ich bin begeistert.

Oldfield, Mike - Return To Ommadawn (VÖ:20.01.2017)
Ich denke viele von Euch hatten Mike Oldfield schon lange abgeschrieben. Seine letzten Veröffentlichungen waren nicht wirklich spannend sondern klangen eher nach ‘Ich schaukle meine Nüsse auf den Bahamas und werfe ab und zu was auf den Markt’. Ich selbst konnte mit den Ergüssen von Mike Oldfield in der letzten Zeit auch nicht wirklich viel anfangen. Daher gab es auch keine Besprechungen auf meiner Homepage. Okay ... das Remix-Album ‘Tubular Beats’ fand ich ganz spannend (weil irgendwie ‘anders’) aber ansonsten war mir das alles zu poppig und langweilig.
Umso mehr bin ich jetzt erstaunt von ‘Return To Ommadawn’. Das klingt echt wie ‘Mike Oldfield hat sich in den 70ern einfrieren lassen und wurde jetzt wieder aufgetaut’. Auch wenn ‘Return To Ommadawn’ nicht ganz an das zitierte Original ran kommt (und ich es auch eher ‘Return To Hergest Ride’ genannt hätte), sind doch alle Trademarks von früher bedient. 2 Songs (Part 1 und 2) mit jeweils ca. 20 Minuten (also pro LP-Seite ein Part), Mike Oldfield spielt alle Instrumente von sämtlichen Saiteninstrumenten (diverse Gitarren, Mandoline, Ukulele, Keltische Harfe) über die Tasteninstrumente (Orgel, Mellotron, Piano usw.) bis zu sämtlichen anderen Merkwürdigkeiten (Bodhran, African Table Drum, das nicht fehlen dürfende Glockenspiel) selbst. Er nudelt ein kleines Thema rauf und runter in sämtlichen Variationen ohne dass es auch nur eine Sekunde langweilig wird. Natürlich hinkt ein Vergleich zu seinen 70er Meisterwerken wie Ommadawn, Tubular Bells oder auch Hergest Ride ein bißchen, aber er kommt schon nahe ran.
Insgesamt gefällt mir Part 1 besser als Part 2, da dort mehr Abwechslung / Stimmungswechsel / Stiländerung passiert. Part 2 ist etwas langatmig. Trotzdem möchte ich ‘Return To Ommadawn’ zu seinen musikalischen Highlights neben den genannten Scheiben und auf jeden Fall ‘Platinum’ zählen. Coole Wiederauferstehung.

Opeth - Sorceress (VÖ:30.09.2016)
Das erste Mal bin ich von einer Opeth-CD enttäuscht. Einfach war die Musik von Mastermind Mikael Akerfeldt war ja noch nie leichte Kost und man brauchte bis jetzt immer einige Hördurchgänge, bis sich die Musik so richtig erschlossen hat. Ich hatte auch immer zuerst meine Probleme, aber am Ende fand ich eigentlich jede Scheibe von Opeth irgendwie total spannend und einzigartig.
Nun habe ich ‘Sorceress’ auch schon einige Male durch aber irgendwie bleibt so gar nichts hängen. Irgendwie klingt alles total uninspiriert und auch der Sound ist neutral ausgedrückt gewöhnungsbedürftig. Man kann auch sagen merkwürdig da viel zu bass-lastig und matschig. Weiß nicht was das soll, denn so ein Perfektionist wie Herr Akerfeldt wird sich was dabei gedacht haben. Ich find’s übel.
Der Einstieg mit dem kurzen ‘Persephone’ ist ja echt noch richtig schön (akustische Gitarre, leicht klassisch angehauchte Melodie). Aber dann wird’s gleich mit dem Titelstück richtig ‘langweilig’. Irgendwie ziemlich retro und dudelig. Auch das folgende ‘The Wilde Flowers’ ist nicht viel besser. 70er Black Sabbath Anleihe aber haut einfach nicht vom Hocker. Ganz witzig ist ‘Will O the Wisp’, das irgendwie folkig angehaucht ist und ziemlich stark an Jethro Tull erinnert. Lustigerweise auch der Gesang. Und das Gitarren-Solo ist auch richtig gut. ‘Chrysalis’ klingt dann irgendwie nach alten Uriah Heep und soll wahrscheinlich eine Hommage an die frühere Plattenfirma sein. Nett. ‘Sorceress 2’ ist auch ganz witzig ... akustisch und auch eher retro. Orientalisch wird es dann mit ‘The Seventh Sojourn’, auch sehr akustisch gehalten und auf Dauer einfach zu langweilig. Proggig wird es endlich mal mit ‘Strange Brew’, mit fast 9 Minuten auch der längste Song auf der CD. Opeth goes Spock’s Beard gibt es auch (‘A Fleeting Glance’), ein bißchen rockig kommt noch (‘Era’ ... endlich mal wieder ein gutes Gitarren-Solo) und dann ist ‘Sorceress’ mit einem Outro (‘Persephone (Slight Return)) auch schon aus.
CD 2 beinhaltet nochmals 2 Studio-Songs (‘The Ward’ und ‘Spring MCMLXXIV’), die reissen es aber auch nicht mehr raus. ‘The Ward’ ist brutal langweilig und ‘Spring’ ganz okay. Danach gibt es noch 3 Live-Songs (‘Cusp Of Eternity’, ‘The Drapery Falls’ und ‘Voice Of Treason’), die richtig cool sind und plötzlich stimmt auch der Sound.
Fazit: Mein Fall ist’s nicht wirklich und ich hoffe mal, dass das nur ein kreativer Durchhänger war.

Oxley, Pete / Meier, Nicolas - The Colours Of Time (VÖ:02.02.2017)
Nachdem Nicolas Meier im Oktober 2016 seine CD ‘Infinity’ herausgebracht hat (siehe meine Review), gibt es nicht einmal ein halbes Jahr später zusammen mit Pete Oxley ein Doppel-CD-Album namens ‘The Colours Of Time’, das auf CD 1 (Duo) tatsächlich nur von Meier und Oxley eingespielt wurde und auf CD 2 (Quartet) noch Unterstützung von Paul Cavaciuti (Drums) und Raph Mizraki (Bass) bekommen hat.
CD 1 ist, wie auch schon ‘Chasing Tales’ (aus dem Jahr 2015 eine Zusammenarbeit zwischen Oxley und Meier ... auch hier siehe meine Review), ein reines Gitarren-Album, bei dem sich Oxley und Meier bei den Soli abwechseln, die akustischen Gitarren weit im Vordergrund stehen aber auch mal zwischendurch die Elektrische zum Einsatz kommt. Spieltechnisch sind sowohl Pete Oxley als auch Nicolas Meier absolut höchstes Niveau und als ambitionierter Gitarren-Amateur (wie ich) legt man dann doch mal sein Instrument zur Seite weil man das niemals so hinbekommen wird.
Musikalisch bewegen sich Pete Oxley und Nicolas Meier auf sicherem Terrain im Stile der Vorgänger-Scheibe. Also Jazz-light der niemals auch nur annähernd nervt oder ausartet sondern immer, auch wenn Themen rauf und runter interpretiert werden, im melodischen Bereich sind, ohne zu langweilen. Wie auch schon bei ‘Chasing Tales’ kann NIcolas Meier seine Vorliebe für orientalische bzw. türkische Musik nicht ganz verbergen, so dass Titel wie ‘Sahara’ oder auch ‘Bosphorus’ nicht von ungefähr kommen.
Insgesamt ist CD 1 (Duo) eine eher ruhige, schöne, meist akustische Scheibe geworden, die man sich von vorne bis hinten am Stück anhören kann ohne dass sie auch nur annähernd langweilig wird. Auch für mich als nicht gerade Jazz-affin komme damit locker zurecht.
Ganz anders ist dann CD 2 (Quartet). Mit den beiden Mitstreitern Paul und Raph hatten Pete und Nicolas in den letzten Jahren immer mal wieder gespielt und es war einfach an der Zeit, dieses auch mal auf einer CD zu dokumentieren.
Herausgekommen ist cooler, lässiger Bar-Jazz und die Aufstockung um eine Rhythmus-Truppe zeigt eindeutig neue Facetten, auch wenn die Trademarks gleich geblieben sind. Also Abwechslung zwischen Pete und Nicolas bei den Gitarren-Soli, viel akustische Gitarre, manchmal die Elektrische zwischendurch und ein tolles Händchen für Melodien. Wobei ich ‘Quartet’ jetzt fast noch ein bißchen melodielastiger finde als ‘Duo’. Richtig schöne Songs die einen dahinschweben lassen.
Auch bei ‘The Colours Of Time’ gilt ... wer mit Jazz überhaupt nichts anfangen kann, sollte die Finger davon lassen. Wer aber auf wirklich filigrane Gitarrenarbeit steht, kommt an Pete Oxley / Nicolas Meier nicht vorbei. Mehr Infos gibt es auf der Homepage von Nicolas Meier.

Pain Of Salvation - In The Passing Light Of Day (VÖ:13.01.2017)
Mit den Schweden ‘Pain Of Salvation’ hatte ich schon immer so meine Schwierigkeiten. Hochkomplizierter Prog-Metal zwischen Genie und Wahnsinn, für mich eher unverständliche, undurchschaubare Stories. Ab ‘The Perfect Element Pt. 1’ bis zur Scheibe ‘12:5’ waren es richtige Highlights, ‘Be’ war mir zu schwierig und danach kam eigentlich was ganz anderes und war nicht mehr mit der Musik von davor vergleichbar. Vor allem die ‘Road Salt ...’ Scheiben waren richtig komisch.
Umso schöner dass sich ‘Pain Of Salvation’ wieder an ihre alten Zeiten erinnert haben, denn ‘In The Passing LIght Of Day’ kommt stilmäßig an ‘The Perfect Element’ und Konsorten ran. Musikalisch sowieso, vom Gesang her auch wieder. Und textlich ... auch wieder hochkompliziert. Daniel Gildenlöw verarbeitet jetzt seine fast tödliche Krankheit, die ihn eine Weile außer Gefecht gesetzt hat. Aus einer bakteriellen Infektion wurde eine nekrotisierende Fasziitis, d.h. fleischfressende Bakterien zerstörten von Innen das Gewebe und nach einer Operation hatte er ein Loch im Rücken durch das man teilweise seine Wirbelsäule sehen konnte. So beschäftigt sich der Opener ‘On A Tuesday’ ... mit 10 Minuten der zweitlängste Song ... z.B. mit der Frage ob man sein Leben ändert wenn man diese Krankheit überlebt. Und schon dieser Song vereint alles was Pain Of Salvation groß macht. Fettes Gitarrenriff, tiefer und brachialer Bass, vertrackter Rhythmus, Breaks ohne Ende, Sprechgesang, dazwischen ne göttliche, eingängige Melodie, Violinen-Part mit weiblichem Gesang, verzerrtes Elektronik-Gewitter, bombastischer Schluss.
Und es geht gerade so weiter ... wobei mir vor allem die Stellen mit dem zerbrechlichen Gesang gefallen, die wohl nur Daniel Gildenlöw so ‘schön’ singen kann. Es gibt auch richtig ruhige Momente (‘Silent Gold’ oder ‘If This Is The End’). Und das ganze endet dann im über 15-minütigen Titelstück. Und das ist nochmal das volle Brett an Genialität.76 Minuten recht ruhig mit genialen Gitarrenparts und dann langsam eine Steigerung mit einer Traum-Melodie und genialem Gesang. Dann immer mehr Steigerung um nach 12 Minuten wieder ruhig und zerbrechlich zu werden. Der Song ist ein kleines Meisterwerk.
Insgesamt möchte ich ‘In The Passing Light Of Day’ als back to the roots bezeichnen. Und das ist gut so.

Poor Genetic Material - Absence (VÖ:16.09.2016)
Knappe 3 1/2 Jahre haben sich die Rhein-Neckar-Art-Prog-Rocker ‘Poor Genetic Material’ Zeit gelassen, um einen würdigen Nachfolger von ‘A Day In June’ zu veröffentlichen. Im Gegensatz der zwei Vorgänger-CDs (Island Noises / A Day In June), die beide übrigens absolute Highlights sind (siehe meine Reviews) hat ‘Absence’ keinen literarischen Hintergrund mehr sondern befasst sich, wie der Name der CD schon sagt, mit Absence - also Abwesenheit - in allen Facetten.
Neu bei ‘Absence’ ist, dass Martin Griffiths, also der Ex-Sänger von Beggar’s Opera und Vater von bis jetzt einzelner PGM-Sänger Philip Griffiths, nun fest zum Band-Line-Up gehört, was ich persönlich richtig gut finde, da sich die zwei (ähnlichen) Stimmen hervorragend ergänzen. Und es ist manchmal echt schwierig zu erkennen wer gerade singt. Nebenher erwähnen möchte ich, dass Martin Griffiths ‘nebenher’ als Schlossführer in Mannheim, Schwetzingen und Heidelberg arbeitet. Wer den Mann also mal persönlich kennen lernen will, sollte mal eine entsprechende Führung buchen (vor allem das Heidelberger Schloss kann ich nur empfehlen).
Die CD ‘Absence’ wird eingerahmt vom Opener Absence Part 1 (knapp 13 Minuten) und dem Schluss-Stück Absence Part 2 (18 1/2 Minuten) mit dazwischen nochmals 4 Songs (nochmal so ca. 25 Minuten). Absence Part 1 beginnt ziemlich sphärisch mit Floyd’schem Keyboard-Teppich von Philipp Jaehne, nach knapp 3 Minuten darf Flötistin Pia Darmstaedter mit einsteigen und das Ganze entwickelt sich zu einem Sound wie bei ‘Us And Them’ (Pink Floyd auf Dark Side Of The Moon). Mit dem einsetzenden Gesang (zuerst Philip und dann Martin Griffiths) wird es dann ein ‘typischer’ Poor Genetic Material-Song. Wundervolle Gesangslinien mit viel Gefühl gesungen und textlich ein bißchen so vertrackt und bebildert wie Fish bzw. Marillion in den besten Zeiten. Nach knapp 7 1/2 Minuten dann ein plötzlicher Rhythmus-Wechsel (erinnert mich ein bißchen an Camel aus der Rajaz-Zeit) mit ‘endlich’ ein bißchen mehr Gitarren-Parts von Stefan Glomb (was für mich immer den typischen PGM-Sound dargestellt hat). Dann wieder eher Pink Floyd, viel Flöte. Richtig genial. Da am Schluss noch ein 5-minütiges Gitarrensolo und der Song wäre perfekt gewesen (nein Spaß ... ich stehe halt drauf).
Rockiger wird es dann bei ‘What If ...?’. Das klingt irgendwie - natürlich auch wegen der Stimme von Philip Griffiths - eher nach einem Alias Eye Song als nach Poor Genetic Material. Aber da ich die Band auch mag ... warum nicht. Wobei ich gelesen habe, dass Philip gar nicht mehr bei Alias Eye singt, aber ob das stimmt kann ich nicht sagen.
Wieder ruhiger wird es bei ‘Lost In Translation’. Schöne Melodie und mir fällt hier vor allem das filigrane Bass-Spiel von Dennis Sturm auf und auch Schlagzeuger Dominik Steinbacher darf sich ein bisschen in den Vordergrund spielen. Somit hätte ich in dieser Review auch alle Musiker genannt und gelobt, und zwar zurecht. Und hier kommt dann ‘endlich’ auch das vorhin vermisste Gitarren-Solo am Schluss.
‘Chalkhill Blues’ finde ich jetzt am Anfang ein bißchen langatmig (dauert ein bisschen bis der Song auf den Punkt kommt), aber nach 1 1/2 Minuten wird’s richtig cool. Und es ist kein Blues wie der Name vermuten könnte. Richtig fetziger Rhythmus zwischendurch.
‘Absconded’, mit gut 10 1/2 Minuten neben den zwei Parts ‘Absence’ der dritte Long-Song auf dem Album gefällt mir auch ausgesprochen gut. Einige Tempowechsel, tolle Gesangsmelodien. Schlagzeuger Dominik Steinbacher möchte ich hier auch nochmal extra erwähnen (gute Mann!) und zwischendurch sogar ein paar fette Gitarren-Riffs gepaart mit der typisch ‘singenden’ Gitarre, die den einzigartigen Sound von PGM ‘früher’ ausgemacht hat. Und am Schluss gibt es (anstatt dem Gitarren-Solo) noch einen ziemlich genialen Flöten-Part von Pia Darmstaedter.
Leider ist dann mit ‘Absence Part 2’ schon Schluss. Allerdings, wie oben schon erwähnt, erst nach 18 1/2 Minuten. Und die haben es in sich. Wieder Keyboard-Teppich, dann Gitarre mit Percussions, einsetzender Gesang, nach 9 1/2 Minuten Rhythmus-Wechsel und gegen Ende fast bombastisch mit beiden Sängern, die ‘übereinander’ singen. Das verspricht echt Gänsehaut. Leider wieder kein 5-minütiges Gitarrensolo am Schluss.
Was soll ich sagen ... ich verfolge die Band ja schon eigentlich von Anfang an aber sie sind nie in ihrer Entwicklung stehen geblieben. Auch ‘Absence’ stellt für mich eine Weiterentwicklung dar wobei ich vor allem positiv erwähnen will, dass sowohl die feste Aufnahme von Pia Darmstaedter in die Band und dadurch viel mehr Flöten-Parts als auch jetzt Martin Griffiths als zweiten Sänger Poor Genetic Material weiter gebracht und noch abwechslungsreicher gemacht haben. Die Scheibe muss man unbedingt haben.
Veröffentlicht wurde die Scheibe natürlich wieder bei QuiXote-Music in Heidelberg.

Scarlet Aura - Falling Sky (VÖ:07.10.2016)
Die rumänische Melodic Metal Band ‘Scarlet Aura’ um die hervorragende, sympathische (und auch äußerst hübsche) Sängerin Aura Danciulescu habe ich letztes Jahr im Vorprogramm von Ex-Nightwish-Sirene Tarja gesehen und war sehr angetan. Leider haben sie nur ne halbe Stunde gespielt, aber das hat mir gereicht um danach gleich ‘Falling Sky’ zu kaufen. ‘Scalet Aura’ waren davor schon auch im Vorprogramm von z.B. Sabaton, Helloween oder Gotthard aktiv und haben sich dort bestimmt einige Fans erspielt.
‘Falling Sky’ besticht durch tolles Songwriting. Einige ‘Hymnen’ wie z.B. ‘Immortal In Your Eyes’, ‘You’re Not Alone’, ‘My Own Nightmare’ oder auch das Titelstück zeigen das Potential das in der Band steckt. Eine richtig gute Scheibe und alle Fans von ‘Female fronted Melodic Metal’ können hier bedenkenlos zugreifen. Ich freue mich auf jeden Fall auf die nächste Scheibe und auf eine Headliner-Tour die hoffentlich bald kommt. Auch live sind ‘Scarlet Aura’ richtig gut und hätte gerne mehr als die halbe Stunde vom letzten Mal.

Tarja - The Shadow Self (VÖ:05.08.2016)
Was sich mit ‘The Brightest Void’ schon angekündigt hat, wird mit ‘The Shadow Self’ mehr als bestätigt. Tarja hat nach ein paar mehr oder weniger langweiligen Scheiben den Metal wieder entdeckt und rockt teilweise kräftig ab. Zwar beginnt die Scheibe bei ‘Innocence’ mit einem seichten Piano-Part, wechselt dann aber schnell in fette Gitarren-Riffs und einem Refrain zum mitsingen, toller Piano-Bridge, Dramatik und zurück zum Refrain. Gut gemacht und 6 Minuten tolle Unterhaltung. Fett weiter geht es mit ‘Demons In You’, unterstützt von der Rock Röhre Alissa White-Gluz (Arch Enemy), wobei die mir bei ihrem Gast-Auftritt bei diesem Song in Wacken weitaus ‘fieser’ rübergekommen ist. Trotzdem ist ihr Gegrunze einfach herrlich und der Song geht auch voll in die Beine (und in den Kopf). ‘No Bitter End’ kennt man ja schon von ‘The Brightest Void’, hier jetzt aber in einer etwas längeren Fassung. Es folgt ‘Love To Hate’, das vielleicht noch am Ehesten an ihre alten Zeiten von Nightwish erinnert ... viel Orchester und Pathos. Danach kommt ‘Supremacy’, einem Muse-Cover, wobei ich jetzt wirklich nicht weiß ob man das gebraucht hätte ... Instrumentierung praktisch wie das Original und ob jetzt Tarja oder Matthew Bellamy singt ... eigentlich fast kein Unterschied. Aber da ich den Song ansich total genial finde, darf ihn auch Tarja singen. Von mir aus. Recht gemächlich geht es dann bei ‘The Living End’ zu. Nette Ballade mit (echten oder falschem) Dudelsack im Hintergrund. Ganz witzig ist dann ‘Diva’. Klingt wie Zirkusmusik, irgendwie ein Aussenseiter auf der Scheibe. Aber toll gesungen. Es folgt ‘Eagle Eye’ (ebenfalls schon auf ‘The Brightest Void’, auch hier wieder in einer etwas anderen, kürzeren Version), meinem absoluten Lieblings-Song. Fette Gitarren, tolle, eingängige Melodie. ‘Undertaker’ geht dann wieder mehr in die Richtung ‘ich kann auch noch Nightwish’. Ebenfalls ein toller Song mit fast 7 Minuten Spielzeit. Richtig metallisch wird es dann nochmal bei ‘Calling From The Wild’, bevor mit ‘Too Many’, einem recht abwechslungsreichen Song auch schon Schluss ist. Doch halt ... ‘Too Many’ zeigt eine Spielzeit von fast 13 Minuten, ist aber nach 7 Minuten 46 Sekunden schon zu Ende. Kommt noch was? Dachte eigentlich die Zeit des ‘Hidden Tracks’ wäre vorbei. Und siehe da ... bei 10 Minuten 50 Sekunden kommt noch ein kleiner Spaß-Song mit witzigem Text und Geschwindigkeit zuerst Richtung ‘Thrash-Metal’, dann Elektro-Pop und wieder Thrash-Metal. Nett.
In der limitierten Version gibt es dann noch eine Bonus-DVD mit 2 Videos (‘No Bitter End’, ‘Innocence’) sowie einem Interview mit Tarja.
Nur dem Layouter des Booklets gehört gehörig eine auf’s Maul. Wie kann man nur weiß auf weiß bzw. schwarz auf schwarz schreiben. Völlig unmöglich das zu lesen. Mit schräg gegen das Licht halten geht es halbwegs, aber war mir echt zu lästig, deswegen kann oder mag ich über die teilnehmenden Musiker keine Auskunft geben.

Ümit! - The Spirit Of Ümit! (VÖ:03.11.2015)
Warum betreibe ich diese Homepage schon seit 20 Jahren, schlage mir Stunden und Tage mit Musik hören um die Ohren und gebe Berge von Euros für das Hosting dieser Seite aus? Ich sag’s Euch. Weil ich dadurch die Möglichkeit habe, völlig unbekannte Bands kennen zu lernen die ich im ‘normalen Leben’ nie entdeckt hätte und die es verdient hätten bekannter zu werden. Eine dieser Bands ist auch Ümit! (jawoll ... mit Ausrufezeichen), die keine Sau kennt (denke ich mal) aber trotzdem geniale Musik macht. Die Band kommt aus Düsseldorf und besteht laut Facebook (andere Infos habe ich leider nicht gefunden) aus 3 Leuten namens Jochen Oberlack (Gitarre, Keyboards, Gesang), Von Irme (Bass) und Peter Sherman (Drums). Als Einflüsse nennen sie Pink Floyd, Alan Parsons Project und Hawkwind und waren schon in diverse Bands (die mir alle unbekannt sind) aktiv. Nach einem Drink zuviel gründeten sie dann laut Facebook ‘Ümit!’.
Los geht’s mit ‘Ummagumma’, mit über 10 Minuten das längste Stück auf dem Album. Klingt zwar nach Pink Floyd, ist es aber nicht. Klingt eher nach Space-Rock mit Keyboard-Teppich und -Läufen, tragendem Rhythmus und viel Gitarre. Sehr viel Gitarre. Leicht verzerrte Gitarre. Aber keine Ähnlichkeit zu Gilmour. Okay ... manchmal vielleicht doch, aber nicht blind kopiert sondern eigenständig. Spielen kann er auf jeden Fall, der Jochen Oberlack. Cooler Song. Richtig cooler Song. Es folgt ‘Tesla’, mit knapp 9 1/2 Minuten auch nicht wirklich ein Short-Track. Da klingt’s schon eher nach Pink Floyd. Vor allem die Rhythmus-Arbeit. Kann jetzt aber gar nicht so genau sagen ob es eher Richtung ‘Dark Side ...’ oder ‘Division Bell’ geht. Mich erinnert es vom Grundgedanken her etwas an ‘What Do You Want From Me’, nur ein bißchen langsamer. Wieder ein cooler Song. ‘Cobra Verde’, gerade mal 8 Minuten lang, beginnt irgendwie wie die nervigen Panflöten-Spieler in der Einkaufsstrasse. Nicht böse gemeint. Wird aber richtig gut. Wenn nur die Keyboards alias Panflöten nicht wären. Dafür entschädigt der Art-Rock-Style der Gitarre. Eigentlich ein cooler Song. Es folgt der Short-Track ‘Tiefensee (ganz knapp unter 8 Minuten). Wieder leichte Pink Floyd - Anleihen im Rhythmus (dieses Mal eher aus der Animals-Zeit) mit cooler Gitarre, die am Ende jetzt aber wirklich nach Gilmour klingt. Also ein cooler Song. Leider ist die CD mit ‘Mark Of Cain’ ... (9 Minuten) dann schon zu Ende. Wunderschöner Song mit Keyboard-Teppich, gefühlvoller Gitarre, die kurz vor der 6-Minuten-Linie sowas von floydig klingt und bis zum Schluss so weiter macht. Leider mit einem abrupten Ende ... da hat wohl das Fade Out nicht wirklich geklappt.
Nachdem ich ja der absolute Gitarren-Freak bin, komme ich mit ‘The Spirit Of Ümit!’ voll auf meine Kosten. 5 richtig geile Songs. Es stellt sich zwar die Frage, warum bei Jochen Oberlack die ‘Vocals’ genannt sind, weil die CD komplett instrumental ist, aber darüber sehe ich jetzt mal hinweg. Wer auf sphärischen Space-Rock (oder Art-Rock oder was weiß ich) steht und auf Gesang zu Gunsten von genialer Gitarrenarbeit verzichten kann, sollte hier unbedingt zugreifen. Die Produktion ist übrigens auch total fett. Beim Stichwort zugreifen muss ich allerdings dazu sagen, dass die CD mittlerweile ausverkauft ist und derzeit nur als Download zur Verfügung steht. Dafür solltet Ihr sofort auf die entsprechende Bandcamp-Seite gehen und für schlappe 5 Euro das Teil kaufen. Lohnt sich unbedingt! (mit Ausrufezeichen).

Vivaldi Metal Project - The Four Seasons (VÖ:22.07.2016)
Man stelle sich mal das vor: Ein italienischer Keyboarder und Produzent (namens Mistheria) läd ca. 120 (!!) Musiker ein und nimmt eine Metal-CD, inspiriert von Vivaldis Vier Jahreszeiten auf. Was kommt dabei raus? Genau das. Das findet man entweder toll oder total bescheuert und langweilig. Da ich die italienische Band ‘Rhapsody (Of Fire)’ mag, und ich finde, dass dieses Werk ziemlich in diese Richtung geht, kann ich mir auf die Scheibe total einlassen und finde sie auch richtig gut. Okay ... ob man hierfür jetzt unbedingt 120 Mitstreiter gebräucht hätte steht auf einem anderen Blatt, aber teilweise sind die Musiker richtig bekannt. Ich möchte jetzt gar nicht auf die einzelnen Songs eingehen, denn das wäre völlig sinnlos. Es ist tatsächlich ein Mix aus Metal (z.B. der Opener ‘Escape From Hell’, gesungen von Ailyn und Rob Rock) und umgestalteten Vivaldi-Parts aus den Vier Jahreszeiten (wie z.B. ‘The Illusion Of Eternity’ ... hier Vivaldis Frühling -Allegro-). Co-Produziert wurde die CD von Bassist Alberto Rigoni, der auch auf ein paar Songs zu hören ist. Wer tritt noch so auf? Also ich kenne von den 120 Leuten Ailyn (Ex-Sirenia), Alberto Rigoni (hat schon diverse Alben veröffentlicht wie z.B. Bassorama oder Three Wise Monkeys und arbeitet derzeit an einem neuen Projekt namens BadAss), Fabio D’Amore (Serenity, Killer Kings), Fabio Leone (Rhapsody Of Fire, Angra), John Macaluso (Ark, TNT), Lance King (mir vor allem bekannt als genialer Sänger von Balance Of Power), Raphael Saini (ziemlich genialer Schlagzeuger), Rob Rock, Tommy Denander (Radioactive), Tony Liotta (noch ein brillanter Schlagzeuger) und Victor Smolski (Ex-Rage, Almanac). Der Rest ist mir im Moment nicht wirklich geläufig.
‘The Four Seasons’ wird die Metal-Gemeinde auf jeden Fall spalten. Wie oben schon geschreiben ... man findet es genial oder scheiße um es auf Deutsch zu sagen. Ich find’s klasse Musik und vor allem die unterschiedlichen Sänger und Sängerinnen machen die Scheibe besonders.

Wilson, Damian - Built For Fighting (VÖ:08.09.2016)
Über eine Crowdfunding-Kampagne hat das fleißige Bienchen Damian Wilson neben der CD mit Adam Wakeman (siehe meine Review) auch ‘Built For Fighting’ finanziert. Daneben hat er auch noch eine Scheibe mit seiner Zweit-Band ‘Headspace’ dieses Jahr raus gebracht. Somit ist das schon der 3. Output im Jahr 2016.
Im Gegensatz zu Wilson’s früheren Solo-CDs ist ‘Built For Fighting’ richtig rockig geworden. Unterstützt von ‘eher’ unbekannten Musikern (oder zumindest von Leuten die man sonst nicht im Dunstkreis von Damian Wilson vermuten würde) wie Bill Shanley (arbeitete schon mit Ray Davies - Kinks), Lee Pomeroy (ELO, Take That) oder Brian Willoughby (The Strawbs), aber natürlich auch Adam Wakeman gibt es insgesamt 11 sehr melodische aber teilweise recht rockige Songs sowie eine Cover-Version von ‘Somebody’ (Depeche Mode). Alles überragend ist aber natürlich die tolle und markante Stimme von Damian Wilson. Ich bin froh, dass er endlich auch mal eine etwas ‘fröhlichere’ Solo-CD rausgebracht hat. Seine älteren Werke sind ja schon ab und zu recht depri.
Zu kaufen gibt es die Scheibe u.a. bei JPC und Amazon (dort auch als Download) sowie natürlich direkt über seine Homepage. Schönes Teil.

 

BuiltWithNOF
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